Flugziele/Zentralmassiv
Das Zentralmassiv

Das Zentralmassiv; das ist dieses häufig vernachlässigte, großflächige Gebirge im Süden Frankreichs. Es nimmt - ja nach Abgrenzung - ca. ein Siebtel das gesamten Staatsgebiets Frankreichs ein. Grob abgegrenzt wird das Zentralmassiv durch die Städte Limoges (im Nordwesten), Lyon (im Nordosten), Toulouse (im Südwesten) und Nîmes (im Südosten). Direkt im Massiv gibt es keine größeren Städte. Jene in unmittelbarer Nähe, die häufig als "Hauptstädte" des Zentralmassivs bezeichnet werden, sind Clermont-Ferrand und St. Étienne.

Und auch in vertikaler Hinsicht sind die Berge nicht zu unterschätzen: zahlreiche Berge übersteigen 1500 Meter über dem Meeresspiegel.

Dies führt dazu, das im Winter einige kleine Flugplätze schneebedeckt sind. Im Sommer wird es im Zentralmassiv überwiegend - trotz der Höhenlage - sehr heiß. Beim Fliegen gibt es viele Turbulenzen; auch Wärmegewitter bilden sich orographisch bedingt natürlich sehr häufig. Daher ist auch in dieser Gegend der Tipp: im Sommer immer möglichst früh am Morgen fliegen.

Administrativ liegt das Zentralmassiv überwiegend in der Region Auvergne; dazu kommt ein Teil des Languedoc Roussillon und vom Départment Midi-Pyrenées. Der Gebirgszug der Cevennen bildet den südöstlichen Anschluss an des Zentralmassiv.

Die wesentlichen Flugplätze des Zentralmassivs seien hier in Reihe kurz vorstestellt und der Ordnung halber in die Kategorien "nördliches" und "südliches" Zentralmassiv eingeteilt.

1. Der Norden

Clermont-Ferrand (LFLC)

Clermont Ferrand ist die Hauptstadt der Region Auvergne. Sie liegt am Nordrand des Zentralmassivs. Der Flughafen ist ein typischer französischer Flughafen mittlerer Größe - alles da, was man so braucht, moderate Gebühren, wenig Verkehr, kein PPR o.ä. notwendig. Der Platz ist sogar komplett "H24". Bei Südwind ist mit Turbulenzen zu rechnen.

Hier gibt es richtiges "Handling" mit Kleinbus etc., aber wie gesagt: alles kostenmäßig trotzdem noch halbwegs moderat. Lediglich für einen reinen Tanstopp ist der Platz eigentlich etwas zu teuer. Dafür gehen Tankstopps aber sehr schnell; Sprit zu fassen ist durchgehend möglich. Wer etwas Geld sparen möchte, kann sich wohl auf Voranmeldung vom Aeroclub handeln lassen und dort parken.

Wenn möglich sollte man im An- oder Abflug ein paar Kreise über der Vulkankette "Chaine des Puys" drehen; welche ca. 15km westlich der Stadt liegt. Der Puy de Dome ist der höchste mit 1465 Metern. Ca. 35 Kilometer südwestlich der Stadt liegt der höchste Berg des Zentralmassivs, der Puy de Sancy, mit 1885 Metern.

Mietwagen sind am Platz verfügbar. Das Taxi in die Stadt kostet ca. 25 Euro.

In Clermont-Ferrand ist die hochgotische Kathedrale Notre-Dame-de-l’Assomption ein besonderes Merkmal. Sie ist ganz aus dem dunklen, porösen Lavagestein gebaut und als solche einzigartig. In der verwinkelten, Innenstadt rund um die Kathdrale finden sich eine ganze Reihe von Gebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die zum Teil sehr hübsch gestaltet und aus dem gleichen schwarzen Lavastein gemauert sind, genau wie die Kathedrale. Zentrum der Stadt ist die Place de Jaude, u. a. mit dem Opernhaus. Insgesamt hat man die Stadt nach ca. einem Tag gesehen.

St. Etienne (LFMH)

Von Clermont-Ferrand aus in Richtung Osten, auf ca. halbem Weg nach Lyon, liegt St. Étienne.

Der Flughafen liegt einige Kilometer außerhalb. Es ist ein ähnlicher Flughafen wie Clermont-Ferrand, nur eine Größe kleiner und mit noch weniger Verkehr. Er hat auch für die GA eher wenig zu bieten. Es gibt Avgas und Jet von einer TOTAL-Tanke, je nach dem wie man es will auch per Self-Service mit der TOTAL-Karte.

Außerdem gibt es hier per se keine Mietwagen. Die Taxifahrt ist eher teuer. Die Stadt ist ohnehin nicht die allersehenswerteste. Große Teile des Stadtbilds werden durch Zeilen- und Plattenbauten geprägt; der Stadt ist anzusehen, dass ihre Blütezeit (früher ein Kohlezentrum) schon vorüber ist. Lediglich die Gässchen rund um das Zentrum versprühen einen gewissen Charme, außerdem gibt es zalreiche Grünflächen. Letztlich jedoch leidet die Stadt auch unter der Nähe zu ihrem großen Bruder, der Stadt Lyon.

Wer hingegen nur einen Nightstopp auf dem Weg weiter nach Südwesten vornehmen möchte, für den eignet sich der Platz gut, denn in nur ganz kurzer Taxidistanz gibt es ein paar Hotels.

St. Flour (LFHQ)

Mitten im Zentralmassiv und nahe an den höchsten Erhebungen gelegen. Kein ATS und auf der A/A-Frequenz ist französisch obligatorisch. Avgas und Jet gibt's von TOTAL, aber ohne Automat für das Carnet, daher ist man auf Personal angewiesen. Gelegentlich Kunstflug. Der Ort St. Flour ist sehr hübsch und malerisch gelegen. Leider ist es vom Flugplatz aus recht weit.

Le Puy Loudès (LFHP)

Kleiner Regionalflughafen in durchaus bergiger Landschaft mitten im Zentralmassiv. ATS nur wochentags und jeweils nur ein paar Stunden am Tag (jeweils wenn die ganz kleine Linienmaschine landet). Durchweg genau genommen leider "FR-only". Tanken (Avgas und Jet) kann man aber durchgehend, aber auch nur wochentags. Restaurant am Platz. Auch ein einfaches Hotel gibt es bei Bedarf.

Dennoch gibt es hier Mietwagen (man muss sich dazu den den Fluhafenbetreiber wenden). Taxi auch hier eher teuer (es sind gut 10 Kilometer in die Stadt).

Die Stadt Le Puy-en-Velay ist Department-Hauptstadt. Sie ist wegen ihrer eigentümlichen Lage in vulkanischer Landschaft ein bedeutendes, recht sehenswertes Touristenziel. Die Stadt ist rund um mehrere frühere Vulkanschlote erbaut. Auf diesen Schloten stehen Kirchen. Le Puy-en-Velay ist der Ausgangspunkt des französischen Jakobsweges "Via Podiensis". Kulinarisch ist Le Puy für Ihre Linsen und entsprechende Gerichte bekannt.

Aurillac (LFLW)

Der Flughafen und die gleichnamige (kleine) Stadt befinden sich am Westrand des Zentralmassivs, aber noch in unmittelbarer Nähe einiger der höchsten Gipfel. Es ist ein reiner GA-Platz, aber mit IFR-Anflügen. Es gibt einen AFIS, aber Aurillac ist einer jener Plätze, die trotzdem stets "FR-only" sind. Daher ist es auch schon fast nebensächlich, dass der AFIS nur sehr stückelige Betriebszeiten hat. Zuverlässig Sprit bekommen kann man nur, wenn man eine TOTAL-Card hat, denn die Tanke ist mit dem entsprechendem Automat ausgestattet; Personal für's Tanken (und anderweitig Bezahlen) ist nicht immer da. Kleines Bistro am Platz. Man kann sogar am Platz Mietwagen bekommen (Hertz).

Das Städtchen ist recht nett; vom Platz aus sind es nur ca. 4 Kilometer; das Taxi daher nicht allzu teuer.

Ussel (LFCU)

Einfach ein landschaftlich schöner Aeroclub-Flugplatz im Nordwesten des Zentralmassivs. Platzhöhe immerhin schon 2500 Fuß MSL. Kein ATS und auf der A/A-Frequenz ist Französisch vorgeschrieben. Es gibt 100LL und laut AIP auch 98er Mogas; kein Jet. Um Treibstoff zu bekommen ist man aber auch den Aeroclub angewiesen. Das Städtchen Ussel ist relativ weit entfernt.

Issoire (LFHA)

Ebenfalls einfach ein sehr schöner kleiner Flugplatz, mit Grasbahn ausgestattet. Wenig Infrastruktur, aber eben sehr schöne in einem Tal zwischen zwei Höhenzügen des Zentralmassivs gelegen. Clermond-Ferrand liegt 30 Kilometer nördlich. Avgas gibt's wochenends vom Aeroclub und wochentags von der örtlichen Issoire Aviation.

Broude Beaumont (LFHR)

Es gilt weitgehend dasselbe wie für den vorgenannten Platz. LFHR liegt auch nur ca. 20 Kilometer südlich von LFHA. Die bevorzugte Start- und Landerichtung ist 33.

Ambert Le Poyet (LFHT)

Wer einen ähnlich idyllischen kleinen Platz mitten im Zentralmassiv sucht, aber eine Asphaltpiste vorzieht, der sollte hier mal vorbeischaune. LFHT liegt ungefähr auf halber Strecke zw. Clermont-Ferrant und St. Étienne.

2. Der Süden (inkl. Cevennen)

Rodez (LFCR)

Dies ist der Regionalflughafen am Südwestrand des Zentralmassivs. Es gibt ein klein wenig Linienverkehr und sogar eine eigene TMA. Die Öffnungszeiten des TWRs sind entsprechend sehr gut (und ohne Mittagspause), so dass der Platz sich als beliebter, da unkomplizierter, schneller Tankstopp auf dem Weg nach Spanien entwickelt hat.

Die Tanke ist von TOTAL und zwar mit Kartenterminal, so dass man zu jeder Zeit mit dem TOTAL-Carnet tanken kann. Wer keins hat, muss lediglich auf dieetwas eingeschränkten Uhrzeiten des Tankpersonals am Wochenende achten (siehe AIP plus ggf. NOTAMs). Sehr geringe Landegebühren.

Es gibt ein Restaurant am Platz, das eber eher nur eine Bar für die Linien-Touris ist. Ihnen zu Dank gibt es aber auch Mietwagen jeder Couleur, was hervorzuheben ist in einer Gegend, wo das selten gibt.

Das Städtchen Rodez (8km entfernt) hat eine recht sehenswerte, gotische Kathedrale.

Mende-Benroux (LFNB)

Im zentralen Süden des Zentralmassivs und in wirklich schöner, endloser Landschaft liegt dieser GA-Platz mit IFR-Verfahren. Es ist ein großzügiger, auf über 1000 Meter Höhe über dem Meerespiegel gelegener Flugplatz; Es gibt einen AFIS, welcher aber recht beschränkte Betriebsszeiten hat. Der IFR Anflug (nur noch GPS) an diesem Platz ist nur während der AFIS-Betriebszeiten zugelassen. Dennoch geht insgesamt ein Hauch von Fliegen in den USA, aufgrund der weiten Landeschaft, des großzügigen, meist verlassenen Flugplatzes und der Unbeschwertheit des Fliegens. Man sollte lediglich etwas auf Turbulenzen gefasst sein, die hier häufig sind. Und aufgrund der großen Dichtehöhen, die hier möglich sind, ist die Bahn auch keinesfalls zu kurz geraten.

Die Tanke ist von TOTAL, mit Kartenautomat. Ohne Carnet ist man auf den AFIS-Mann angewiesen. Eine (ganz moderate) Landegebühr fällt de facto auch nur dann an, wenn der AFIS-Mann da ist. Das Restaurant vor Ort habe ich mehrfach für gut befunden.

Die hübsche Kleinstadt Mende ist nur ca. 3 km (bergab) entfernt. Man kann ohne oder mit nur leichtem Gepäck theoretisch zu Fuß dorthin laufen; zurück braucht man definitiv ein Taxi.

Langogne Lesperon (LFHL)

Dieser Platz im Südosten des Zentralmassivs liegt ähnlich hoch wie Mende, ist aber nur Gras und die Bahn ist auch noch deutlich kürzer. Also nur was für Flieger mit STOL-Eigenschaften. Der Platz ist ohnehin eigentlich für Piloten mit Mountain-Rating reserviert (trifft nicht für ULs zu).

Aubenas (LFHO)

Der Verkehrslandeplatz für den Südosten des Zentralmassivs liegt bereits eher im Flachland, aber eben in unmittelbarer Nähe mehrerer über 1000 Meter hoher Berge. Ideal, um das Departement "Ardéche" zu besuchen. Dessen namensgebender Fluss ist beliebt für Wildwasserfahren.

Zu beachten ist aber, dass der Platz keinen ATS hat, man also stets mit A/A-Verfahren zu arbeiten hat. Außerdem ist de Platz von einer LF-R umgeben, so dass man sich während dessen aktiven Zeiten mit Orange Approach absprechen muss. Zum Tanken braucht man auch nicht unbedingt Personal, denn die Tanke (zumindest für Avgas) lässt sich auch mit normalen Kreditkarten füttern. Somit auch ideal für einen superschnellen und günstigen Fuelstop. Für Jetfuel muss man sich vorher anmelden.

Einen Mietwagen muss man sich vorher organisieren; offiziell sind am Platz keine zu bekommen. Es gibt aber ein Restaurant am Platz ("Le Pélican"). Außerdem einen Freizeitpark in unmittelbarer Nähe.

Ruoms (LFHF)

Besonders schön, da direkt am Ufer der Ardèche gelegen. Es ist aber nur ein Grasplatz, mit nur 630 Metern Länge. Die 18 ist die preferenzielle Piste. Der Platz liegt allerdings nahezu auf Meereshöhe. Dennoch benötigt man, um diesen Platz zu nutzen ein vorherige Freizeichnung durch einen (beliebigen) Fluglehrer. Ein Einweisungsflug ist nicht zwingend notwendig. Es gibt auch keinen Treibstoff. Badestellen sind fußläufig erreichbar. Auch der Ort Ruoms, auf der anderen Seite des Flusses, ist nur etwas über einen Kilometer entfernt.

Alès (LFMS)

Wer einen Verkehrslandeplatz mit langer Bahn für eine Erkundung der Cevennen sucht, der sollte nach Alès fliegen. Der Platz ist aber nur noch VFR (früher gab es mal einen NDB-Approach). Kein ATS und ehrlich gesagt auch nur wenig Infrastruktur am Platz. Man kann aber mit TOTAL-Carnet selbstständig Avgas tanken. Wer das nicht hat, ist auf die Hilfe des AFIS-Manns angewiesen. Kein Jetfuel. Einen Mietwagen kann man im 6 km entfernten Städtchen Alès bekommen.

Millau (LFCM)

Kommen wir abschließend noch ganz in die südlichen Ausläufer des Zentralmassivs. Bester Flugplatz für diese Gegend ist Millau. Leider hat auch er keinen Instrumentenanflug mehr. Außerdem liegt er inmitten einigen LF-Rs, mit denen man sich auseinander setzen muss.

Berühmt ist Millau natürlich wegen seines berühmten Viadukts, welcher die A75 über den Fluss Tarn führt und den man in Anflug bestaunen kann (ca. 10 km nordwestlich des Platzes). Der Platz hat keinen ATS. Die Piste ist beiderseits von Hügeln eingefasst und daher mit stark versetzten Schwellen. Dazu kommt auch hier im Sommer meist eine nicht zu unterschätzende Dichtehöhe. Turbulenzen sind möglich. Kein Restaurant am Platz; man kann aber zur Stärkung zur nahegelegenen Autobahnraststätte laufen. Der Ort Millau ist leider sehr weit entfernt. Genau wie Alès hat auch Millau eine reine Avgas-Tankstelle (TOTAL, mit Kartenterminal für das Carnet), also kein Jetfuel.

Saint Affrique Belmont (LFIF)

Schöner Platz, im Süden umgeben von 4000 Fuß hohen Bergen. Der Platz ist allerdings PPR. Für's Mittagessen oder eine Übernachtung kann man ca. einen Kilometer in den Ort Belmont sur Rance spazieren.

Bédarieux - La Tour sur Orb (LFNX)

Schöner Platz, ganz im Süden des Zentralmassivs, nur noch ca. 40 Kilometer von Béziers entfernt. Die Piste ist (etwas steiniges) Gras, aber ausreichend lang. Dennoch auch hier PPR notwendig. Hauptsächlich Segelflug.


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