Flugziele/Flugplätze
Flugplätze in Frankreich

Frankreich ist Fliegerland. Dies macht sich unter anderem darin bemerkbar, dass Frankreich die größte Flugplatzdichte ganz Europas hat. Zu den ca. 480 offiziellen, sprich in der AIP gelisteten Flugplätzen kommt noch eine große Anzahl privater Plätze und UL-Pisten. Die Flugplatzdichte ist wirklich großartig; außerdem sind die meisten Plätze, auch in den landlichen Gegenden stets mit Asphaltpisten (selten kürzer als 800 Meter) ausgestattet. Reine Militärplätze sind allerdings überwiegend nicht für Zivilluftfahrzeuge nutzbar.

Rein administrativ unterscheidet man in Frankreich zwischen jenen Plätzen, die allgemein für die Öffentlichkeit geöffnet sind ("ouvert à la CAP") und solchen, die es zunächst einmal nicht sind ("usage restreint").

"Ouvert à la CAP"

Diese Plätze erfordern in der Regel keinerlei PPR. Sie sind ein bisschen wie Verkehrslandeplätze in Deutschland, aber es die Kategorien sind in Frankreich letztlich doch anders. In jedem Fall ist das Entscheidende: sie sind grundsätzlich der Öffentlichkeit zugängig, und nicht nur einem eingeschränkten Nutzerkreis. Geschätzt sind ca. 75% der 480 offiziellen Flugplätze in Frankreich "ouvert á la CAP".

"Usage restreint":...

Folglich gehören die übrigen 25% zu dieser Kategorie. "Usage restreint" bedeutet "eingeschränkte Nutzung". Häufig wird dies angewandt, wenn der Platz z.B. grundsätzlich nur für dort beheimatete Luftfahrzeuge zugelassen ist. Es sind also häufig administrative, teilweise auch versicherungstechnische Gründe. Häufig werden aber auch Plätze so klassifiziert, welche lediglich höhere als normale Anforderungen an den Piloten stellen, z.B. eine Lehrberechtigung oder eine Gebirgsflugberechtigung (in den Alpen findet man dies häufig).

Im ersteren Fall bedeutet dies aber nicht, dass man als Fremder gar nicht dort fliegen kann. In den meisten Fällen ist es möglich, sich durch einen rein formellen Papierakt eine zeitlich begrenzte Genehmigung von der örtlich zuständigen Behörde ausstellen zu lassen. In den meisten Fällen läuft das über ein einfaches Formular, das häufig vom örtlichen Club zur Verfügung gestellt wird. Leider gibt es keinen Standardprozess und keine standardisierten Adressen für diesen Antrag. Mal ist die Präfektur zuständig, mal das örtlich zuständige "Luftamt", etc. Der Vorgang unterscheidet sich also leicht von Platz zu Platz.

Als Beispiel: der schöne Platz Avranches / Le Val St. Père (LFRW): hier handelt es sich um einen sehr einfachen Vorgang. Der Club stellt auf seiner Website das Formular und weitere Instruktionen zu Verfügung, welches in diesem Fall auch per mail versandt werden kann (in anderen Fällen ist leider häufig noch ein Fax notwendig); siehe hier

Wichtig: Da hier eine Behörde involviert ist, sollte zwischen Antrag und Flug natürlich mindestens ein Werktag liegen. Ganz kurzfristig geht es also nicht.

Die Alternative ist, schlicht ohne diese Genehmigung zu fliegen. Die meisten Clubs oder Platzbetreiber sehen das entspannt. Meist is die Aussage: "solange du keinen Unfall baust, ist es uns wurscht". Das muss aber nicht überall so sein.

Altiports / Altisurfaces

Diese bilden eine Unterkategorie der "usage-restreint-Flugplätze. Man findet Sie vor allem in den französischen Alpen, aber auch in den Pyrenäen. Um mit Motorflugzeugen auf diesen Altiports operieren zu dürfen, muss man entweder eine speziell für diesen Flugplatz durchgeführte Einweisung durchgeführt haben und gültig halten ("authorisation de site") oder das allgemeine französische Mountain Rating ("qualification montagne") besitzen. Genau gesagt ist es so, dass es die Möglichkeit einer authorisation de site nur für die Altiports gibt; für die Altisurfaces muss man die qualification montagne besitzen.

Diese ganzen legalen Einschränkungen gelten nicht für Ulraleichts. Es ist aber unabhängig davon natürlich sehr ratsam ohne entsprechende Erfahrungen vorab eine Einweisung zu genießen, was der Verband auch streng empfiehlt.

Leider - aber letztlich richtigerweise - ist es recht aufwendig, dieses generelle Mountain-Rating zu erlangen. Durchschnittlich fallen hierfür ca. 20-25 Flugstunden an. Mehr noch: um die Berechtigung aufrecht zu erhalten, muss man jedes Jahr mindestens 12 Landungen auf Altiports durchgeführt haben. Dies ist doch für Privatpiloten aus Deutschland in der Regel nicht so easy. Daher werden die Altiports hier nur am Rande behandelt.

Eine "authorisation de site" kann man in ca. 2-5 Flugstunden erwerben.

Schulungsmöglichkeiten: An den meisten dieser Altiports gibt es einen Aeroclub mit einer angeschlossener Bergflugschule. Die größeren davon ziehen dies auch durchaus professionell auf und haben für ausländische Gäste englischsprachige Fluglehrer, etc. . Ganz vorne genannt seien hier Mègève, Courchevel und L'Alpe d'Huez. Aber auch in den Pyrenäen gibt es ein paar.

Eine gute Übersicht über diese Flugschulen gibt es auf der Website der AFPM (wobei diese Liste wohl nicht immer 100%ig aktuell gehalten wird).

Wer Interesse am Erwerb einer "authorizazion de site" oder gar der "qualification de montagne" (EASA "MOU" Rating) hat, sollte sich an eine dieser Schulen wenden. Dort werden auch alle Fragen zur Gültigerhaltung, etc. geklärt. An einigen dieser Schulen ist es sogar möglich, das Training auf dem eigenen Flugzeug zu absolvieren.

Unbedingt empfehlen möchte ich aber zumindest als "Erfahrung" einmal bei einer der oben genannten Schulen einen "Mountain-Schnupperflug" oder besser noch einen Gletscherflug mit Fluglehrer zu unternehmen. Ich habe dies selbst vor einigen Jahren in Mègève gemacht und es sehr genossen.

Flugbetrieblich / ATS

Flugbetrieblich (im Sinne von Flugverkehrsdiensten und den entsprechenden Verfahren) unterscheidet man zwischen

a) kontrollierten Plätzen

also solchen mit Tower. Diese Plätze haben in der Regel auch IFR-Verfahren (Ausnahme: z.B. Lognes LFPL). Man kann bei diesen Plätzen durchweg auf Englisch funken. Dennoch muss man davon ausgehen, dass ein Großteil des Funkverkehrs (der anderen Piloten) auf Französisch stattfindet, daher ist es u.U. nicht ganz so einfach, so ein Bild des Verkehrs zu machen. Gebührentechnisch gehören die kontrollierten Plätze natürlich tendenziell zu den teureren; es gibt aber auch viele, die absolut günstig sind. Außerhalb der Betriebszeiten des Towers "schließt" ein solcher Flugplatz natürlich in der Regel flugbetrieblich nicht, sondern wird zu einem "A/A-Platz", dann allerdings ist das Funken auf französisch verpflichtend.

b) AFIS-Plätzen

Das Konzept des "AFIS", also Aerodrome Flight Information Service" ist deutschen Piloten meist eher unbekannt, obwohl es international Standard ist. Wichtig: es ist ein Informationsdienst und keine Flugverkehrskontrolle. Der Platz ist also unkontrolliert.

Ganz 100%ig lässt sich AFIS auch nicht mit einer Flugleitung in Deutschland vergleichen, denn AFIS-Dienste sind fest institutionalisierte Flugverkehrsdienste (ATS). Ein AFIS ist also nicht nur ein "Heini", der irgendwo am Platz rumspringt und gelegentlich etwas in seine Handquetsche reinbrabbelt, sondern der AFIS-Operateur muss stets einen Überblick über den Platzverkehr haben und sitzt daher stets in einem towerartigen Gebäude. Außerdem empfängt die AFIS-Stelle stets alle Flugsicherungsmeldungen, also Flugpläne. Aus diesem Grunde werden an Plätzen mit aktiver AFIS-Stelle Flugpläne stets "automatisch" vom AFIS geöffnet und geschlossen. Aber nochmal: der Platz an sich ist unkontrolliert, d.h. es gibt keine Start- und Landefreigaben.

In aller Regel sprechen auch die AFIS-Bediensteten Englisch und es sind auch beide Sprachen offiziell zugelassen. Es gibt hierzu aber ein paar Ausnahmen, sprich AFIS-Plätze, die dennoch offiziell nur Französisch erlauben (ca. nur ein paar handvoll, z.B.: 1. Ile d'Yeu 2. Lezignan-Corbières, 3. Amiens-Glisy, 4. Ouessant). Aber auch an diesen Plätzen kann man aber de facto mit dem Info-Mann in der Regel das Nötigste auf Englisch regeln, wenn der Bedarf besteht (mehr dazu unter "Sprechfunk in Frankreich"). Auch an AFIS-Plätze gilt: wenn der AFIS nicht aktiv ist, muss auf französisch gefunkt werden.

c) Andere Flugplätze, A/A ("Auto-Info")

Diese Plätze haben gar keine Bodenfunkstelle. Hier findet der Flugbetrieb ausschließlich nach Ermessen des Piloten ab; er wählt die Betriebspiste. Wichtig zu bedenken ist bei diesen Plätzen komplett ohne ATS, dass man selbst seine Flugpläne öffnen und schließen muss (öffnen geht am besten direkt nach dem Start per Funk bei FIS oder ATC; Schließen muss man die Flugpläne in der Regel nach der Landung telefonisch. Mehr dazu im Kapitel "Flugpläne").

Besondere Verfahren ergeben sich für diese Plätze, was den Flugfunk betrifft. Siehe dazu das Kapitel "Flugfunk in Frankreich".

Militärplätze

Die meisten sind in der Regel nicht von zivilen nutzbar. Es gibt ein paar ganz klare Mischplätze, z.B. Lorient (LFRH) und Cuers-Pierrefeu (LFTF). Aber reine Militärplätze erlauben meist auch mit PPR keine Landungen von Zivilflugzeugen. Egal..., die zivile Flugplatzinfrastruktur ist ja wirklich mehr als ausreichend.

Privatflugplätze

Über die in der AIP veröffentlichen Flugplätze hinaus gibt es noch mehrere hundert Privatflugplätze. Die meisten davon sind was sie sind - privat. Mit entsprechenden Kontakten kann man dort allerdings auch landen. Besonders interessant sind Privatflugplätze dann, wenn sie zusammenhängend mit einen Hotel, einer Farm oder einem Chateau betrieben werden (ähnlich den italienischen "Avioresorts"). In Frankreich gibt es nicht ganz so viele davon, aber doch das eine oder andere. Bekanntes Beispiel ist die "Ferme du Rebeyrotte" in Pressignac-Vicq (Dordogne), wo es neben einer 850 Meter langen Graspiste ein urigen Landgasthof mit Restaurant gibt.

Auch bei diesen Plätzen müssen häufig aus administrativen Gründen vorab gewisse Formalien befriedigt werden. Aber es bietet natürlich auch die Höflichkeit und die Vorsicht, solche Plätze nicht "einfach so" anzufliegen. Schließlich gibt es für diese Plätze keine offiziellen und zuverlässigen Veröffentlichtungen. Ein Privatflugplatz hat keinerlei Betriebspflicht, könnte also von heute auf Morgen umgepflügt werden, ohne dass der Eigentümer dies irgendwo melden muss. Konkret muss bei diesen Privatflugplätzen - ähnlich wie bei jenen Plätzen mit "usage restreint" - vorab der Name des Piloten bei der örtlichen Prefektur hinterlegt werden (gilt nicht für Ultraleichts).

Deshalb sei klar gesagt: Bei Privatplätzen nie ohne erfolgtes PPR anfliegen!

Wie kommt man in Informationen zu diesen Privatflugplätzen? Siehe dazu jetzt:

UL-Gelände

Diese dürfen in der Regel von Motorflugzeugen leider nicht benutzt werden. Für ULer dagegen eröffnet sich durch diese Plätze ein Paradies: 700 Stück gibt es davon Frankreich!

Der französische Ultraleichtflugverband FFPLUM hält eine kostenlose, öffentlich zugängliche Datenbank mit guten Infos zu praktisch allen ULGeländen bereit. Diese findet sich hier:

http://basulm.ffplum.info (dann oben auf "Bases" und dann am besten "Carte interactive")

Das Windsacksymbol kennzeichnet einen UL-Platz. Wenn man darauf klickt, kann man zu jedem Platz ein gut gemachtes pdf erhalten. Diese werden auch weitgehend aktuell gehalten. Super!

Allerdings sind praktisch alle UL-Pisten in Frankreich PPR.

Das Symbol mit dem schwarzen Flugzeug auf gelbem Grund steht für Privatflugplätze, welche ggf. auch für Motorflugzeuge offen sind.

Auch z.B. Skydemon und Air Navigation Pro enthalten diese ganzen Privatflugplätze. Skydemon verlinkt auch gleich auf das entsprechende Datenblatt von FFPLUM.


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