Flugziele/Bordeaux
Bordeaux + Aquitanien (Médoc, Périgord / Dordogne, etc.)

Dieser Abschnitt befasst einem Teil Südwestfrankreichs, der sich weder politisch noch landschaftlich eindeutig abgrenzt, dafür aber touristisch umso attraktiver ist. Es geht hier um die Stadt Bordeaux, die gleichnamige Weinregion sowie sich östlich anschließend die Dordogne, einer der schönsten Gegenden Frankreichs. Das verbindende Element ist sicherlich der (Rot)-wein, die gute Küche (Trüffel, Foie Gras...) die harmonischen, alten Städte und die attraktiven, grünen Landschaften.

Insbesondere die Gebiete im Innenland (also z.B. das Périgord) können im Hochsommer allerdings sehr sehr heiß werden.

Wir wollen uns in diesem Kapitel im Weitesten Sinne "von West nach Ost" bewegen. Beginnen möchte ich mit der Region des Medòc, welche für seine Weine berühmt ist.

Das Médoc

Diese Region befindet sich linksseitig des Flußes Garonne zwischen Atlantik und Bordeaux. Als Flugplatz kommen grundsätzlich folgende drei in Frage: Soulac sur Mer (LFDK), Vendays-Montalivet (LFIV) sowie Lesparre Saint Laurent Medoc (LFDU); die ersteren beiden sind im Anschnitt "Atlantik" näher beschrieben; die letzteren beiden unterliegen leider gewissen Einschränkungen. Keiner der Plätze hat einen ATS.

Bordeaux

Bordaux ist eine sehr schöne, monumentale Großstadt Frankreichs. Dazu kommt ein sehr gutes Klima. Es ist eine prächtige Hafenstadt am Ufer der Gironde mit einer großen Altstadt, welche UNESCO-Weltkulturerbe ist. Das Theater ist ein tolles Bauwerk. Nett ist auch der Miroir d'Eau (Wasserspiegel), auf dem Place de la Bourse. Einen Besuch von Bordeaux möchte ich unbedingt empfehlen; leider gibt es aber keinen "perfekten" Flugplatz dafür.

Der Verkehrsflughafen Bordeux-Merignac (LFBD) liegt ca. 10 Kilometer westlich der Stadt. Leider ist LFBD einer jener (sehr wenigen) ziemlich teuren Plätze für die GA. Es besteht Handling-Pflicht. Ferner ist das Parken im Sommerhalbjahr PPR, obwohl es reichlich Flächen gibt und mittlerweile ohnehin nur noch wenige kleine GA-Flieger diesen Platz nutzen. Handling-Agent für die GA ist die stets sündhaft teure Firma Aviapartner. Die Lande- und Parkgebühren sind zwar moderat, aber die Handlinggebühren schwanken zwischen 90 und 130 Euro, ein bisschen je nach Wochentag und wohl auch Verhandlungsgeschick. Immerhin ist der Agent behilflich, günstig an einen Mietwagen zu kommen. Fliegerisch gibt es keine Besonderheiten anzumerken.

Avgas gibt es von einer fixen Tankstelle. Diese wird von Esso betrieben. Konsequenz: der Sprit ist für französische Verhältnisse viel zu teuer.

Es gibt am Hauptterminal natürlich Mietwagen, die auch nicht allzu teuer sind. Wer nur in die Stadt will, kann vom Hauptterminal aus auch den Linienbus nehmen. Taxis sind frankreich-typisch sehr teuer, ca. 40-45 Euro in das Stadtzentrum.

LFBD ist somit eigentlich eher nur als Alternate zu empfehlen, wenn das Wetter einen IFR-Anflug erfordert oder man nachts anfliegen muss (der Platz ist grundsätzlich "H24").

Wie lauten die Alternativen für VFR-Flieger? Stadtnahester GA-Platz ist der Grasplatz Bordeaux-Yvrac (LFDY), nur knapp ca. 10 Kilometer nordöstlich der Stadt. Außerdem verläuft eine Bahnlinie nicht allzu weit vom Platz in Richtung Innenstadt. Leider ist dieser Platz "à usage restreint". Mir ist nicht bekannt, wie einfach oder schwierig es in diesem Fall ist, die Genehmigung zu bekommen, bzw. ob sich die Leute vor Ort daran stören, wenn man ohne diese Genehmigung anfliegt. In jedem Fall ist der Platz grundsätzlich für Multi-Engine geschlossen, sowie auch für Einmots mit über 300 PS (Cirrus SR22 dürfen dort somit streng genommen nicht fliegen).

In keiner Weise derart beschränkt ist der zweite VFR-GA-Platz der Stadt, Bordeaux - Léognan Saucats (LFCS). Er liegt südlich der Stadt in einem großen Waldgebiet, ist aber doch schon ca. 15 Kilometer von Bordeaux entfernt. Und es gibt natürlich per se keine Mietwagen an diesem Platz, was den Weitertransport problematisch werden lässt. In jedem Fall gibt es reichlich Verkehr, außerdem keinen ATS, d.h. man sollte idealerweise den Funk auf Französisch ausführen und verstehen können. Dafür gibt es eine Asphaltpiste und fliegerisch keine allzu großen Besonderheiten (es gilt lediglich, die maximale Flughöhe von 2000 Fuß in diesem Sektor zu beachten). Es gibt Avgas, wofür man allerdings lokal Hilfe benötigt (besser vorher anmelden). Es gibt ein gutes Restaurant am Platz. Außerdem insgesamt eine freundliche GA-Atmosphäre.

Wie gesagt; leider ist die Logistik am Boden kompliziert. Ein Taxi direkt bis nach Bordeaux wäre extrem teuer. Leider hat auch der nächste Ort, Léognan, keinen Schienenanschluss. Man muss daher mit dem Taxi in den (östlich gelegenen) Saint Médard d'Eyran und kann von dort aus (außer sonntags!) sehr zügig (10-15 Minuten) mit dem Zug zum Zentralbahnhof Bordeaux St. Jean kommen.

Wer unbedingt englischsprachigen Funk wünscht, oder unbedingt einen Mietwagen direkt am Platz nehmen möchte, ohne aber die Kosten von Bordeaux-Merignac auf sich zu nehmen, für den bleibt nur die Möglichkeit, nach Arcachon (LFCH) zu fliegen, was 55 Kilometer südwestlich von Bordeaux liegt. Siehe dazu den Abschnitt "Atlantik". Diese Alternative ist gar nicht mal so uncharmant, denn LFCH ist wirklich ein super GA-Platz und man kann so Besuche von Arcachon und Bordeaux recht elegant verbinden.

Das berühmte Kernland des Bordelais

Das Zentrum der Weinregion "Bordelais" mit seinen berühmtesten Rotweinen (Saint-Emilion, Pomerol, Fronzac, etc.) liegt nordöstlich der Stadt Bordeaux, entlang des Unterlaufs der Dordogne, bevor sie sich mit der Garonne zur Gironde vereint.

Mittelpunkt dieser Region ist Libourne. Der Flugplatz von Libourne (LFDI) ist ein kleiner Aeroclub-Platz ohne ATS. Dementsprechend gibt es keine Gebühren aber auch sonst wenig Service. Man trifft aber meistens irgend jemanden an (z.B. beim Platz-Restaurant "La Terasse d'Eole", montags geschlossen), mit dessen Hilfe man tanken (TOTAL) oder ein Taxi bestellen kann. (Es gibt leider keine Mietwagen am Platz, wobei man Avis, am Bahnhof, wohl dazu bewegen kann, einen Wagen am Platz bereitzustellen). Wenn man dann einen Mietwagen hat, kann man von hier aus ebenfalls Bordeaux besuchen, denn es liegt nur ca. 40 Kilometer entfernt. Einige berühmte Weinorte wie z.B. Saint-Émilion liegen nur wenige Kilometer von Libourne entfernt.

Der Norden - die Flüsse Isle, Dronne und Vézère

In Norden dieser Region bildet die Stadt und der Regionalflughafen Périgeux (LFBX) einen Fixpunkt. Unproblematischer Platz. Die Tanke (Jet und Avgas) ist von TOTAL, mit Carnet-Terminal; je nach Uhrzeit und Verfügbarkeit von Personal natürlich Bezahlung auch mit Kreditkarte etc. Die hübsche Stadt Perigeux, direkt am Fluß Isle gelegen, ist ggf. nur mit Taxi zu erreichen, da es auch mit Vorbestellung offensichtlich nicht immer möglich ist einen Mietwagen am Platz zu bekommen (obwohl es grundsätzlich Mietwagenvertretungen am Platz gibt).

Es gibt an den Flüssen Isle, Dronne und Vézère inmitten immergrüner Landschaft zahlreiche kleine, nette Orte, die aber dennoch nicht allzu sehr von Touristen überlaufen werden z.B. Brantôme.

Weiter östlich befindet sich entlang des Flusses Vézère die Stadt Brive-la-Gallarde. Der ehemalige Flugplatz Brive Laroche, welcher nur dreieinhalb Kilometer westlich von Brive lag, wurde leider 2010 geschlossen und vom 15 Kilometer südlich gelegenen Flughafen Brive - Souillac (LFSL) abgelöst. Vorteil aber: der Platz ist modern und verfügt über alles, was man sich wünschen kann. Die Tanke ist von BP (Bezahlung direkt mit der BP-Card möglich). Es gibt Mietwagen aller Couleur (Vorbestellung bzw. Klärung der Öffnungszeiten vorab sinnvoll) ; ideal, um die Gegend des oberen Laufs der Dordogne zu erkunden.

Die Mitte - die Dordogne

Westlichster Flugplatz entlang der Dordogne ist Sainte-Foy-la-Grande (LFDF). Es ist ein ganz ähnlicher Platz wie Libourne, bloß noch beschaulicher. Auch hier gibt es eine Tankstelle von TOTAL (ebenfalls ohne Karten-Terminal); auch hier gibt es ein gehobenes Restaurant ("Le Jardin d'Eole"); es gilt als eines der besten an Frankreichs Flugplätzen. Man sollte aber vorreservieren. Das hübsche Städtchen Ste.-Foy-la-Grande, direkt an der Dordogne gelegen, ist nur 3,5 Kilometer entfernt.

Etwas weiter östlich kommt man in die Hauptstadt der Doredogne und dessen Flughafen Bergerac-Roumanière (LFBE). Dieser wird auch etwas von low-cost Airlines genutzt, was es für Privatpiloten manachmal nicht leichter macht. Dafür gibt es dann aber zuverlässig Mietwagen am Platz. Wer nur nach Bergerac möchte, sollte eher ein Taxi nehmen, denn es ist nicht sehr weit. Die GA parkt auf dem westlichen Vorfeld. Es gibt eine TOTAL-Tanke mit Carnet-Automat, aber auch ohne Karte kann man stets problemlos tanken und mit Kreditkarte bezahlen. Die Landegebühren sind sehr moderat. Es gibt ein Bistro am Platz, das aber eher für Linientouris ist und keine gehobenen Ansprüche erfüllt. Wenn der Airport nicht besetzt ist, kann man nach der Landung über ein Tor beim Aeroclub hinauskommen. Die Stadt Bergerac ist wunderbar. Kleine Warnung noch: man sollte LFBE nicht nutzen von und zu Orten außerhalb Schengens oder der EU. Für solche Flüge erhebt der Platz (angeblich wegen des Koordinierungsaufwands mit dem Zoll) eine überhöhte Zusatzgebühr von 50 Euro.

Und jetzt ein Highlight für fliegende Besucher der Dordogne: die "Ferme du Rebeyrotte" ist ein Bauernhof mit angeschlossener Herberge und eigenem Flugplatz, benannt nach dem nächsten Ort, Pressignac-Vicq (LF2432). Ich kam ursprünglich durch einen fliegermagazin-Artikel von 1997 auf diesen Platz und landete dort in 2005. Selbst 11 Jahre später gibt es ihn noch unverändert. Da es ein Privatflugplatz ist, ist er nicht in der französischen AIP enthalten, aber auf den ICAO-Karten (und z.B. Skydemon) eingezeichnet. Er liegt 15 km nordöstlich von Bergerac. Die Gegend ist sehr schön, dennoch nicht zu touristisch und es gibt guten Rotwein. Die Herberge, die "Ferme du Rebeyrotte", ist von der einfacheren Art, aber sehr gemütlich und die Betreiber sind sehr sympatisch und fliegerfreundlich. Leider gibt es keine wirkliche Internet-Seite mit weiteren Infos. Lediglich hier gibt es etwas (auf Französisch). Der Chef, Thierry Roussel fliegt eine Jodel. Er ist Ansprechpartner für fliegerische Fragen zum Flugplatz, spricht aber - natürlich - nur wenig Englisch. Man muss z.B. im Vorwege dem Aeroclub beitreten, um dort landen zu können (keine Angst, sind nur 10 Euro Gebühr!). Man bekommt dann eine Anflugkarte zugeschickt. Die Grasbahn ist insgesamt 800m lang, durch recht starkes Gefälle am einen Ende ist sie aber real kürzer. Trotzdem sollte man bei moderatem Gewicht gut rauskommen. Die Landung, speziell auf die 01 (bergab!) ist schon schwerer, die 19 ist vorzuziehen. Im Zweifel durchstarten. Zu funken ist französisch auf der 123.50. Das Essen auf der Ferme ist lecker, aber sehr deftig, allein deshalb sollte man nach einem Tag wieder weg, zumal es sonst nicht viel zu tun gibt am Platze. Alles in allem ein sehr schönes Ziel für den der ruhiges französisches Landleben und die entsprechende Küche mag. Für die Flugplatzinformationen aus ffpulm.fr siehe hier.

Im Übrigen gibt es speziell hier an der Dordogne massenweise Privatflugplätze, teilweise mit ähnlichen Strukturen wie oben. Es lohnt sich also, etwas zu stöbern. Genannt sei beispielhaft der (mit Asphaltpiste gesegenete) Privatflugplatz La Cave Le Frau (LF4623), welcher allerdings schon am Rande des Zentralmassivs liegt.

Ein weiteres Highlight der Dordogne-Region ist Sarlat-Domme (LFDS). Zum einen ist es ein sehr schöner GA-Platz, auf einem Plateau oberhalb der Dordogne gelegen. Wochenends durchaus viel Verkehr, allerdings stets ohne ATS. Es gibt Avgas, von einer TOTAL-Tanke mit Kartenterminal. Wenn man keine solche Karte hat, ist man auf Hilfe vom Club angeboten.

Zu Fuß sind es ca. 45 Min. bergab in das pittoreske, mittelalterliche Örtchen Domme an der Dordogne, wo allerdings im Sommer viele Touristen unterwegs sind. Die Gegend ist sehr ländlich, daher ist es meist eher schwierig, ein Taxi zu bekommen. Man sollte es also am besten vorab organisieren. Es ist aber entsprechend auch recht teuer. Wenn man Glück hat, wird vom Betreiber eines der Hotels in Domme (das edelste ist das "L'Esplanade") abgeholt und wieder zum Platz gebracht.

In dem ebenfalls sehr hübschem Städtchen Sarlat-la-Canéda (welches aber im Sommer ebenfalls auch recht stark von Touristen befallen wird) kann man über Europcar einen Mietwagen bekommen, um die Region zu Boden zu erkunden. Im Hochsommer kann es in dieser Gegend teilweise sehr heiß werden.

Der Süden - entlang der Garonne

Von Bordeaux aus ca. 50 Kilometer südöstlich die Garonne hinauf, liegt direkt am Fluss der kleine Flugplatz La Réole Floudes (LFDR). Die Grasbahn ist reichlich lang und auch sonst gibt es keine Einschränkungen. Es ist lediglich auf Fallschirmspprungbetrieb zu achten. Der hübsche Ort La Réole ist 2,5 Kilometer entfernt und liegt direkt am Fluss. Kein Sprit am Platz.

Ca. 20 Kilometer weiter flussaufwärts, ist Marmande (LDFM) ein größerer Flugplatz mit Asphaltpiste, aber ohne IFR. Auf der Funkfrequenz ist genau genommen "FR-only" vorgeschrieben. Bevorzugte Piste ist die 11. Hier gibt es Avgas, und zwar von TOTAL, mit Terminal für das Carnet. Das Dordogne-Städtchen Marmande ist ebenfalls etwas größer als La Réole. Er ist recht nah, es fährt außerdem ein Linienbus.

Weitere ca. 50 Kilometer flußaufwärts kommen wir zu der einzigen Großstadt an der Garonne und deren Regionalflughafen Agen - La Garenne (LFBA). Gute Öffnungszeiten des TWRs. VFR-Nacht und IFR sind natürlich möglich. Es ist praktisch immer die 29 in Betrieb. Die Tankstelle ist von BP mit Selbstbedienung. Sehr günstige Gebühren. Es gibt neben Taxis (die Stadt ist nahe) und auch Mietwagen. Rundum problemlos. Die Stadt Agen hat ein nennenswertes Musée Municipal des Beaux Arts; außerdem ein sehenswertes Theater sowie eine monumentale Bogenbrücke über die Garonne.


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