Flugziele/Midi
Der Midi (= der Süden)

In diesem Teil soll ein in den anderen Kapiteln noch nicht behandelter Abschnitt Südfrankreichs näher beschrieben werden. Es ist die Gegend rund um die Stadt Toulouse. Die ist vor allem der Norden der Region Midi-Pyrenées, zum Teil aber auch die Region Roussillon.

In Frankreich wird diese Gegend schlicht als "Le Midi" bezeichnet (genau genommen ist der Midi noch deutlich größer). Dies analog zum Begriff "Mezzogiorno" in Italien.

In diesem Zusammenhang sei auch gleich der Canal du Midi genannt, welcher zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Er verbindet Toulouse mit dem Mittelmeer bei Sète und fließt daei unter anderem durch Carcassonne. Früher ganz wesentlich für die wirtschaftliche Erschließung Südfrankreichs bedeutsam, wird der heute praktisch nur noch touristisch genutzt. Er wird überwiegend nur noch von Hausbooten befahren, die entlang der gesamten Strecke gemietet werden können.

Ansonsten wird mit dem Midi alles das verbunden, was man bei einem Südfrankreichurlaub sucht: Wein, immer gutes Wetter, sehr gelassene Lebensart, sowie viele Sehenswürdigkeiten, z.B. in Form unzähliger Katharerburgen. In Albi steht mit der römisch-katholischen Sankt Cäcilia-Kathedrale eine der größten Backsteinkirchen der Welt. Carcassonne ist ohnehin ein Highlight für sich.

Fliegerisch wirkt sich natürlich vor allem das gute, stabile Wetter aus. Dabei kann es im Midi im Sommerhalbjahr sehr heiß werden. Flugplatztechnisch ist - wie überall in Frankreih - auch hier alles im Überfluss vorhanden.

Toulouse

Toulouse ist die viertgrößte Stadt des Landes und die Metropole des zentralen Südfrankreichs. Flieger assoziieren natürlich sofort Airbus mit der Stadt, aber die Luftfahrtindustrie in Toulouse geht sogar bis in die 1920er Jahre zurück.

Aber auch davon abgesehen: Toulouse ist auch insgesamt sehr sehenswert. Dennoch fristet die Stadt touristisch eher ein Schattendasein, was manch einer vielleicht positiv bewertet. Toulouse wird aufgrund seiner zahlreichen Bauwerke aus roten Ziegelsteinen auch la ville rose –„rosarote Stadt“- genannt. Sie hat ein ganz eigenes Flair, das man so von kaum einer anderen französischen Stadt kennt. . Mittelpunkt ist die Place de Capitole, von der aus man zahlreiche Kirchenbauten besichtigen kann. Berühmte Plätze am Uffer der Garonne sind die Place de la Daurade und der Place St. Pierre. Empfehlen tue ich auch für Toulouse, sich vorab bei www.velo.toulouse.fr ein Kurzabo zu holen, so dass man vor Ort an fast jeder Straßenecke ein Fahrrad nehmen und so die Stadt besser erkunden kann.

Außerdem ist Toulouse klassischer Startpunkt für Touren auf dem Canal du Midi.

Toulouse Blagnac (LFBO) ist der Großflughafen im Nordwesten der Stadt wird gleichermaßen für den Linienverkehr als auch als Werksflughafen vom Flugzeughersteller Airbus genutzt. Aber auch für die GA ist er recht OK.

Es sind mit Voranmeldung Besuche von Teilen des Airbus-Werks möglich. Berichten zu Folge ist dies aber eher lahm; man bekommt nur "unsensible" Bereiche zu sehen. Kann man sich also sparen.

Die Airbus-Werke befinden sich überwiegend westlich der Pisten, die Terminals und das GAT östlich. Der Platz ist H24. Es gibt für die GA keine PPR-Regelung und auch keine ausgesprochene Pflicht, einen Handling-Agent in Anspruch zu nehmen. Dann sind auch die Gebühren noch morderat (ca. 40 Euro). Parken auf dem Apron Golf. Man muss dann eben ein klein wenig marschieren bis zum GAT. Allerdings gibt es kein Avgas in LFBO. Eine Bushaltestelle befindet sich gerade noch in Laufweite vom GAT.

Ganz nah am Flughafen (aber nicht direkt angrenzend) liegt das Luftfahrtmuseum "Aeroscopia", wo man unter anderem einen A380 und eine Concorde besichtigen kann.

In den meisten Fällen werden sich Privatfliger für den GA-Platz der Stadt entscheiden, Toulouse-Lasbordes (LFCL). Es ist auch sehr stadtnah gelegen. Lediglich gibt es leider keine IFR-Anflüge, die man in der Gegend aber ohnehin nicht allzu häufig braucht. Außerdem auch kein VFR-Night. Trotzdem hat der Platz einen Tower, und zwar ganztags, ohne Mittagspause, auch am Wochenende. ULs sind zugelassen. Es gibt recht viel Betrieb, denn es gibt zahlreiche Aeroclubs und Schulen am Platz. Es gibt Lärmschutzverfahren, welche im An- bzw. Abflug etwas mehr Aufmerksamkeit erfordern. Außerdem sind natürlich die Lufträume des nahen Flughafens Blagnac zu beachten. Gut erkennen lässt sich der Platz bereits von Weitem, denn direkt nebenan gibt es ein Luft- und Raumfahrtmuseum, mit einer ausgestellten Ariane-Rakete.

Die Landegebühren sind minimal. Die Tanke ist von TOTAL; man kann "H24" mittels des Carnets tanken, ansonsten bekommt man auch Hilfe von einem der Clubs und kann dann mit Kredikarte zahlen. Ein Restaurant ist vorhanden, welches im Winter aber geschlossen ist. Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel ist vorhanden, aber man muss bis zur Haltestelle zunächst etwas marschieren.

Mit PPR ist grundsätzlich auch der im Südwesten der Stadt gelegene Platz Toulouse-Francazal (LFBL) anfliegbar. Der VFR-Anflug ist außerdem aufgrund des Luftraums etwas komplexer. Der einzige Vorteil dieses Platzes gegenüber Lasbordes: IFR-Verfahren.

Carcassonne-Salvaza (LFMK)

Carcassonne ist das wohl beliebteste Ziel Südfrankreichs außerhalb von dessen Küsten. Wahrzeichen der Stadt zwischen Toulouse in Mittelmeer ist die mittelalterliche, auf einem Hügel der Altstadt gelegene, als Cité von Carcassonne bezeichnete Festung. Diese ist ein absoluter Tourisitenmagnet. Die Cité de Carcassonne auf dem rechten Ufer der Aude gehört seit 1997 zum Weltkulturerbe der UNESCO. Sie ist mit 4 Millionen Besuchern pro Jahr eines der am häufigsten besuchten Reiseziele Frankreichs. Die mittelalterliche Festungsanlage ist von ihrer Größe und ihrem Erhaltungszustand her einzigartig in Europa. Die noch bewohnte Cité wird von einem doppelten Mauerring umschlossen. Hauptgebäude im Innern sind eine Burg (Château Comtal) und eine Kirche (Basilique Saint-Nazaire).

Im Mittelalter lebten 3000-4000 Menschen in Carcassonne, das Anfang des 13. Jahrhunderts zu den Hauptstützpunkten der Katharer gehörte. Zu diesem Zeitpunkt wurde auch die heutige Unterstadt gegründet. Auch diese ist durchaus recht hübsch; eben keine monumentale, frühmittelalterliche Museumsstadt, sondern ein quirliges, südfranzösisches Mittelzentrum. Hier wohnt heute die überwiegende Zahl der Menschen.

Nun zu dem Flughafen der Stadt, Carcassone-Salvaza (LFMK): es handelt sich um einen typischen französischen Regionalflughafen. Leider ist in LFMK die Integration von Linienverkehr (Ryanair) und GA - wie an einigen anderen Regionalflughäfen auch - teilweise nicht so sonderlich gut gelungen, d.h. dass Privatflieger während der Abfertigung einer Ryanair-737 mit Verzögerungen und ziemlich unentspanntem Personal rechnen müssen. GA-Apron (wo man parkt) und Terminal (wo man z.B. bezahlt) sind ca. 600 Meter voneinander entfernt. Die "lokale" GA betrifft das nicht so sehr, da Clubs und Eigner einen eigenen Vorfeldzugang haben und so ungestört jederzeit ihr Ding machen können. Aber als Gast muss man zum Landegebühren bezahlen etc. den etwas langen Weg außerhalb des Flughafens zum Haupterminal in Kauf nehmen.

Außerdem ist den letzten Jahren in LFMK teilweise die Avgas-Versorgung etwas unglücklich. Bei Zweifeln am besten vorher anfragen, denn die Veröffentlichungen zum Thema "Tanken" sind in LFMK etwas wirr. Kurzum: Die Tanke ist von BP, und außerdem dummerweise auf dem "privaten" Vorfeld der ENAC-Flugschule errichtet. Offiziell darf man, um nicht "zu stören", nur wochenends (wenn die Schule geschlossen ist) tanken, und dann nur mit eigenem BP-Carnet (weil ja das Personal fehlt). In der Praxis geht es häufig auch mit Kreditkarte und auch unter der Woche. Es wird aber nicht "garantiert". Eine unbefriedigende Situation. Daher: als "Tankstopp" ist Carcassonne eher nicht zu empfehlen; dafür sind eher Béziers (BP) oder Montpellier (TOTAL) ideal.

Ansonsten kann man sich nicht beschweren; die Gebühren sind gering. Lediglich auch hier muss man sich bei An- und Ablfug auf sportliche Windverhältnisse einstellen. IFR-Anflüge gibt's nur auf die 10, daher ist aufgrund der meist vorherrschenden Westwinde oft ein Circling zu erwarten.

Der Landegebührenschalter ist gleichzeitig auch Touristeninformation und man kümmert sich um alles, sprich Taxi (wie immer in Frankreich recht teuer und manchmal auch schwierig zu bekommen), Hotel, oder Mietauto (man sollte aber vorbestellen). Es gbt auch einfache Verpflegung im Terminal.

Nicht nur die Stadt, auch die ganze Gegend hat viel zu bieten, man sollte aber den Hochsommer meiden (insbesondere den 14. Juli, da ist alles rammelvoll). Z.B. kann man von Carcassonne aus sehr schön Radtouren entlang des Ufers des Canal du Midi unternehmen.

Lézignan-Corbières (LFMZ)

Nicht allzuweit von Carcassonne entfernt (ca. auf halber Strecke in Richtung Narbonne) ist dies ein unspekatukularer, aber doch netter, etwas verträumter GA-Platz, der daher hier genannt sein soll. Allerdings Vorsicht: offiziell ist der AFIS nur "FR-only". Außerdem macht er - logisch, wir sind ja in Südfrankreich - eine gemütliche Mittagspause. Dies ist zu berücksichtigen, wenn man tanken möchte (nur Avgas verfügbar). Keine Landegebühren. Es ist stets eine startup-Clearance notwendig (wg. möglicher Fallschirmspringer).

Positiv auch: es gibt ein gutes (modernes) und auch nicht allzu teures Bistro ("Le Tunnel") am Platz. Ganzjährig geöffnet; Ruhetag ist Montag.

Lézignan ist ein verträumtes, südfranzösisches Städtchen; ideal für den, der Ruhe vor allzu vielen Touristen haben möchte. Lézignan hat mit dem Wochenmarkt eine regionale Zentrumsfunktion. Es gibt auf der Westseite der Stadt ein Weinbaumuseum.

Castres-Mazamet (LFCK)

Die Stadt Castres (im Department Tarn, ca. 50 Kilometer nördlich von Carcassonne) ist recht interessant; der Fluß Agout fließt durch die Stadt; die Häuser "hängen" teilweise über den Fluß.

Der Flugplatz ist IFR anfliegbar. AFIS aber nur wochentags. ULs sind nicht zugelassen. Es gibt Avgas und Jet, die Tankstelle ist von BP. Man darf wohlgemerkt auch wochenends landen und starten, dann allerdings ohne AFIS.

Albi (LFCI)

Weitere 40 Kilomet nördlich liegt Albi. Albi ist Sitz eines katholischen Erzbischofs. Im Jahre 2010 wurde das Ensemble des Bischofsviertels in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Alles wird von der Kathedrale Saint Cecile überragt, welche sehenswert ist. Im Bischofspalast befindet sich ein Museum, welches dem berühmten, in Albi geborenen Maler Henri de Toulouse-Lautrec gewidmet ist. Durch Albi fließ der aus dem Zentralmassiv entsprungene Fluß Tarn.

Der Flugplatz, der auch über IFR-Anflüge verfügt, ist insofern interessant, als dass er von einer Rennstrecke umgeben ist. Während Rennen stattfinden, gibt es betriebliche Einschränkungen (siehe AIP plus NOTAM).

Die Betriebszeiten des AFIS sind etwas kompliziert; siehe AIP / NOTAM. Die Tankstelle ist von TOTAL, mit Carnet-Automat.

Man braucht ein Taxi, um in das Stadtzentrum zu kommen. Es ist aber nicht sehr weit; daher dürfte es nicht allzu teuer sein.

Gaillac - L'Isle sur Tarn (LFDG)

Unweit von Albi gibt es noch eine weitere sehenswerte Kleinstadt mit eigenem Flugplatz: Gaillac.

Der Platz liegt nur ca. 2,5 Kilometer südwestlich in einer Schleife des Flusses Tarn. Die Piste ist Gras, aber ausreichend lang. Kein ATS am Platz, und es soll ausschließlich auf Französisch gefunkt werden. Kein Treibstoff. Dafür gegebenenfalls Hangarierung möglich. Außerdem gibt es ein Restaurant ("Les Ailes").

Absolutes Highlight und Wahrzeichen der Stadt ist die Abtei St. Michel, direkt am Fluss Tarn. Es gibt aber noch viele andere sehenswerte Bauten. Eben ein typisches mittelalterliches Städtchen im ruhigen Südfrankreich. Berühmte Weingegend!

Auch-Gers (LFDH)

Eine gut ausgebauter Verkehrslandeplatz, ca. 80 Kilometer westlich von Toulouse. Wochentags gibt es einen AFIS, mit dem man Englisch funken kann; wochenends nur auf vorherige Anfrage. Der Platz hat ein Restaurant, welches als eines der besten Flugplatzrestaurants in Frankreich gilt ("Le Restaurant de L'Aerordrome").

Cahors-Lalbenque (LFCC)

Cahors soll den nördlichen Abschluss dieser südfranzösischen Gegend bilden. Es ist eine recht sehenswerte Kleinstadt, gelegen in einer Schleife des Flusses Lot, am Rande des Zentralmassivs. Bekannt ist die Stadt und seine Umgebung für ihren Rotwein, dem Malbec de Cahors.

Der Flugplatz, LFCC, liegt leider gute 10 Kilometer von der Stadt entfernt. Positiv ist aber, dass er IFR-Verfahren hat. Der AFIS ist aber offiziell nur französischsprachig. Um einen englischsprachigen AFISO zu bekommen, muss man dies tags zuvor anmelden (siehe AIP). Dies großzügig lange Piste hat etwas Buckelprofil. Auch der Parkplatz hat etwas Gefälle, so dass man den Flieger gut sichern sollte. Es herrscht mitunter recht viel Fallschirmsprungbetrieb. Avgas und Jet gibt es von einer TOTAL-Tanke, mit Carnet-Automat. Während der AFIS-Zeiten (wochentags) bekommt man auch ohne eigene TOTAL-Karte Treibstoff. Beim AFIS-Mann kann man auch ein Taxi bestellen, welches aber aufgrund der Distanz in die Stadt etwas teurer ist. Für die Wartezeit gibt es ein Restaurant am Platz ("La Cousinade), welches aber ebenfalls nur wochentags geöffnet hat.

Cahors ist wie gesagt "nett" und sehenswert. Die Stadt schmiegt sich in eine Flussschleife der Lot und hat eine Menge Geschichte und Kultur zu bieten. Sehr sehenswert ist der Pont Valentrè, eine Steinbrücle aus dem 14. Jahrhundert; sie ist ein besonderes Beispiel eines mittelalterlichen Verteidigungsbauwerks und ist das Wahrzeichen der Stadt, sowie UNESCO-Weltkulturerbe. Auch die Kathedrale St.-Étienne sowie weitere Bauwerke sind sehenswert.


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