Flugvorbereitung/Sprit
Treibstoffversorgung / Tanken in Frankreich (Preise Stand Frühling 2018)

Hinweis vorab: in den übrigen Kapiteln dieser Website werde ich bei den Hinweisen zu den einzelnen Flugplätzen nicht immer auf die Treibstoffverfügbarkeiten eingehen, da diese Infos ja in der Regel auch aus der AIP hervorgehen.

1) AVGAS 100LL

Frankreich ist Fliegerparadies - das gilt auch beim Thema Tanken. Zum ersten ist die Versorgung in allen Landesteilen hervorragend, denn fest jeder noch so kleine Platz hat 100LL. Zum anderen sind die Preise seit jeher stets einen guten Zacken günstiger als z.B. in Deutschland. Der Preis liegt derzeit zwischen ca. 1,85 Euro und 2,15 Euro. (Ausnahmen davon - sowohl nach oben als auch nach unten - gibt es kaum.) Man sollte das Tanken bei Flügen von Deutschland in Richtung Frankreich daher so weit es geht stets auf französischen Boden verlegen.

Einen guten Eindruck über die Preise vermittelt stets Skydemon.

Der Markt für Avgas teilt sich in Frankreich im wesentlichen in zwei Anteile: den von TOTAL und den von BP.

1. TOTAL

Immer noch Marktführer und Betreiber der meisten Avgas-Tanken in Frankreich ist der Heimatkonzern TOTAL. Fast jeder fremde Pilot hat in Frankreich schon einmal mehr oder minder erfolgreich an einer der meist weiß-roten Stationen getankt. Das TOTAL-Netz ist hier als interaktive Karte hinterlegt:

http://www.total.fr/mes-deplacements/aviation/trouver-station-air-total.html 

wobei dort lediglich jene Plätze angezeigt werden, wo es auch einen Kartenautomaten für das so genannte "TOTAL-Carnet" gibt, sprich wo man - wenn man diese TOTAL-eigene Scheckkarte hat - rund um die Uhr und völlig selbständig tanken und bezahlen kann (dazu gleich mehr).

Da diese Liste etwas hakelig ist, sei hier auch der Link zum klassischen pdf angegeben:

http://www4.total.fr/Europe/France/pdf/aviation/carte-air-total.pdf (Bemerkungen: rot steht für Avgas; schwarz für Jet. Der blaue Rahmen besagt, dass es einen Automaten für das Carnet gibt. Der halbe blaue Rahmen besagt, dass zumindest während der Betriebszeiten zusätzlich auch beim Personal anderweitig bezahlt werden kann.)

Und hier gibt es das Ganze als pdf in Listenform:

http://www4.total.fr/pdf/aviation/stations-reseaucarteairtotal-011011.pdf 

wobei hier auch jene TOTAL-Stationen aufgeführt sind, wo es (noch) keinen Carnet-Automaten gibt (Angabe "oui" anstatt "automate").

Der springende Punkt bei den TOTAL-Tanken ist folgender:

An mittlerweile ca. 85% der TOTAL-Plätze gibt es neben der Zapfsäule ein Kartenterminal für das so genannte TOTAL-Carnet; der Rest hat kein solches Terminal, dort muss dann "manuell" abgerechnet werden.

Dies hat beides Vor- und Nachteile:

Dort wo es kein Terminal gibt, muss ein Flugplatzangehöriger (u.a. auch Feuerwehr, Aeroclub, etc.) die Tanke freischalten und dann später die Summe abrechnen. In diesen Fällen ist es manchmal (speziell an den kleinen Plätzen) so, dass die Bezahlung nicht per Kreditkarte, sondern nur in bar möglich ist; daher sollte man für diesen Fall schon immer schon ein paar hundert Euro dabei haben.

Und: Dies funktioniert natürlich nur dann, wenn dieses jemand vor Ort ist und auch Zeit und die entsprechende Muße hat. Grundsätzlich müssen aber ja Flugplätze in Frankreich gar kein anwesendes Personal haben, um Flugbetrieb stattfinden zu lassen. Heißt: wenn keiner da ist, bekommt man bei diesen TOTAL-Tankstellen (ohne das Carnet) auch keinen Treibstoff. Und an jenen Plätzen, die zwar grundsätzlich Personal in Form des AFIS-Operateurs, einer Feuerwehr oder einer örtlichen Flugschule o.ä. haben ist zu bedenken, dass auch diese Leute nicht permanent da und greifbar sind. Insbesondere in Südfrankreich gibt es die berühmten langen Mittagspausen. Außerdem ist man häufig auch spät abends und früh morgens aufgeschmissen. Manche Plätze haben gar komplett über das Wochenende kein Personal. Aeroclub-Plätze sind oft nur gänzlich unregelmäßig "besetzt".

Möglicher Ausweg: sich vor dem Flug genau informieren, wann Personal vor Ort ist bzw. im Fall von Aeroclub-Plätzen, vorab einen "Termin" zum Tanken ausmachen und so sicherstellen, dass auch jemand da ist, der Sprit verkaufen kann. Aber selbst dann: nicht einfach zur Tankstelle rollen und darauf warten, dass schon "jemand" kommen wird. In Frankreich wird, wenn man nichts sagt, davon ausgegangen, dass man "selbstständig" tanken kann. Daher: schon beim Abrollen dem AFIS/TWR ansagen, dass man kein ensprechendes Tank-Carnet hat und um "assistance" bitten. Wenn nicht, wartet man sich an der Tankstelle tot und wundert sich, warum niemand kommt.

Der Königsweg ist aber die Beschaffung einer eigenen TOTAL-Karte. Früher war es für Nicht-Franzosen kaum möglich, solch eine Karte zu bekommen, da stets ein französisches Bankkonto für die Abrechnung gefordert war. Seit Anfang 2014 werden dank SEPA Direct Debit nun auch viele andere Eurokonten akzeptiert.

Bei dieser TOTAL-Karte handelt es sich wohlgemerkt um eine rein französische Karte. In anderen Ländern ist sie nicht zu gebrauchen. Folglich kann auch der gesamte Antragsvorgang nur über TOTAL France durchlaufen werden. Immerhin: seit Anfang 2016 kann der iniziale Antrag auch in englischer Sprache gestellt werden. Einige Dokumente (wie der Vertrag selbst) und Anhangsformulare sind aber nach wie vor in französisch. Und: der gesamte Antragsvorgang ist nach wie vor aufgrund einiger einzureichender Unterlagen etwas laboriös ist. Dazu gleich mehr.

Anzumerken ist zunächst, dass dennoch nach wie vor ein Deposit von ca. 300 Euro (per Überweisung zu hinterlegen) notwendig ist. (Der genaue Betrag hängt etwas davon ab, welche geschätze Jahrsabnahmenge man angibt). Aber glauben Sie mir: der Aufwand lohnt sich, auch wenn man nur sehr unregelmäßig nach Frankreich fliegt. Der Gewinn an Flexibilität und Entspannung ist unbezahlbar. Unter anderem ermöglicht der Besitz dieser Karte auch das nahezu beschränkungsfreie Nachtfliegen in Frankreich, denn man kann wie gesagt an jenen Stationen mit Kartenterminal wirklich "24/7" tanken, ohne jedwedes Personal. Dank fehlender Flugleiterpflicht, verbreitetem Pilot Controlled Lighting ("PCL") und eben der TOTAL-Karte kommt das Fliegen in Frankreich schon sehr dem Flair und der Leichtigkeit des Fliegens in den USA nahe.

Der einzige Fall, wo die TOTAL-Karte keinen Mehrwert bringt, sind eben solche Plätze, wo es zwar eine TOTAL-Tanke, aber eben kein entsprechendes Kartenterminal gibt. Dort ist man so oder so auf Personal angewiesen. Aber wie gesagt, das sind mittlerweile eher wenige.

Es sei auch noch gesagt, dass der Preis pro Liter bei Bezahlung mit der Karte meist etwas günstiger ist, als wenn man mittels "Personal" tankt, denn die Plätze dürfen bei Eigenabrechnung vor Ort einen Aufschlag auf den "offiziellen" TOTAL-Preis nehmen. Der monatsaktuelle Standard-TOTAL-Preis wird stets hier veröffentlicht (etwas nach unten scrollen):

http://www.total.fr/carburants/les-carburants-aviation/carte-air-total.html 

Die TOTAL-Card wird immer auf ein bestimmtes Flugzeugkennzeichen ausgestellt. Genau genommen kann man diese also nur in Verbindung mit diesem einen Flugzeug nutzen. In der Praxis ist es aber ja so, dass man die Karte ja vor allem in Situationen nutzt, wo ohnehin kein Personal involviert ist, daher geht es letztlich natürlich auch, wenn zu betankende Flugzeug nicht nicht dem entspricht, dessen Kennzeichen auf die Karte gedruckt ist.. Ich empfehle also auch jedem ambitionierten Charter-Piloten (welcher häufiger mal in Frankreich fliegt aber unter Umständen mit unterschiedlichen Flugzeugen), diese Karte anzuschaffen.

Wie geht das nun? Also, zunächst muss man sich von TOTAL France die personalisierten Antragsunterlagen zuschicken lassen. Der Link hierfür ist folgender:

http://www.airtotal.com/general-aviation/french-card/subscribe.html

Wenn man dies ausgefüllt und abgeschickt hat erhält man wenig später die kompletten, personalisierten Antragsunterlagen, welche aber zumindest teilweise noch immer nur in französischer Sprache ausgefertigt sind. U.a. muss man dann zusammen mit dem ausgefüllten Antrag eine Reihe von Dokumenten einschicken und besagte Kaution leisten:

  • Es wird eine Kopie des Personalausweises sowie ein Beweis des Wohnsitzes gefordert. Genau gesagt der Beweis, dass die eigene Adresse noch immer gültig ist. Dies soll man durch eine maximal drei Monate alte Haushaltsrechnung (Strom, Telefon, o.ä.) tun.
  • Kopie des Eintragungsscheins („certificat d’immatriculation de l’appareil“). Auf der Kopie am besten das Kennzeichen gelb hervorheben. Außerdem soll man auf dieser Kopie auch angeben, welcher Kraftstoff (AVGAS oder JET-A1) verwendet wird.  
  • Eine SEPA-Einzugsermächtigung. In diese muss man seine Bankkoordinaten eintragen. Mittlerweile wird jedwede Bank akzeptiert, solange diese SEPA-Direktmandate zulässt.
  • Hinsichtlich der Kaution am besten eine Kopie des entsprechenden Überweisungsbelegs beilegen. Da TOTAL außerdem ein Dokument fordert, aus dem hervorgeht, dass das im SEPA-Mandat angegebene Konto das eigene ist, sollte man eine so genannte "Kontenbestätigung" seiner Bank in englischer Sprache beilegen.

Die Karte trifft dann, insofern alle Unterlagen vollständig waren, schon ca. eine Woche nach Antragsversendung postalisch ein. Die notwendige PIN-Nummer (welche man bei jedem Tankvorgang an dem Kartengerät eingeben muss) wird mittels eines separaten Briefs mitgeteilt. Bevor die Karte abläuft (ist jeweils nur ca. 2 Jahre gültig), bekommt man automatisch eine neue zugesandt.  

Das Tanken mit der TOTAL-Karte an den Selbstbedienungsterminals ist dann relativ einfach. Man muss wie gesagt jedes Mal den PIN eingeben. Schon vorher aber kann man im Menü die Sprache umstellen, z.B. auf deutsch. Das funktioniert alles recht gut.

2. BP

Zweiter großer Marktteilnehmer ist Air BP. Zahlreiche, vor allem mittelgroße Plätze wie z.B. Troyes, La Rochelle, Cannes, etc., haben Tankstellen von BP. Dazu kommen einige kleine Plätze wie z.B. Cosne-sur-Loire, St. Cyr L'Ecole oder Nîmes-Courbessac.

Die Situation stellt sich ganz ähnlich dar wir bei TOTAL, d.h. es gibt Stationen mit Karten-Terminal (wo man mit Tankkarte selbstständig und jederzeit tanken kann), sowie solche, wo es keinen Carnet-Automaten gibt und man ohnehin auf Personal angewiesen ist. Unterschied zu TOTAL: viele der BP-Carnet-Automaten akzeptieren alternativ auch normale Kreditkarten (z.B. Troyes LFQB oder Cannes LFMD).

Das firmeneigene Carnet von BP heißt "Sterling-Card". Der große Unterschied zur TOTAL-Karte ist aber eben, dass der ganze Antragsprozess seit jeher völlig problemlos ist und außerdem der Vorgang durchweg auf Englisch durchlaufen werden kann. Außerdem ist die Karte nicht nur auf ein einziges Land beschränkt (wie die TOTAL-Karte), sondern weltweit benutzbar. Aus diesen Gründen besitzt eigentlich nahezu jeder Flugzeugeigner (oder auch der "nur" charternde, ambitionierte Privatpilot) bereits eine solche Karte.

Die Karte kann hier:

http://www.bp.com/en/global/bp-air/about-us/sterling-card.html 

beantragt werden.

Leider gibt es bei BP keine komplette Übersicht über deren Tankstellen in Frankreich. Unter folgendem Link sind lediglich die "großen" Stationen mit Kartenterminal aufgeführt:

https://customers.airbp.com/where-to-find?q=France

Auch die BP-Card wird stets auf ein spezifisches Flugzeugkennzeichen ausgestellt; auf besonderen Wunsch aber auch als "ANY"-Version.  

Das Tanken mit der BP-Karte an den Selbstbedienungssäulen ist leider meist ein ziemlicher Alptraum. Diese Dinger sind sehr widerspinnstig. Meist muss man ziemlich exakt eine ganz bestimmte Folge von Handgriffen einhalten, damit die Pumpe anspringt. Zwar ist in der Nähe der Pumpe meist eine Art Anweisung angegbracht, die einen Punkt für Punkt anleitet, aber auf Anhieb funktioniert es meist trotzdem nicht. Unter anderem muss man am Dispay eine Reihe von Fragen mit "Ja" beantworten. Dazu ein paar Schalter drücken und Hebel umlegen. Lässt man sich dabei zu viel Zeit, bricht der ganze Vorgang ab. Tipp: springender Punkt bei den meisten Säulen ist der, dass unmittelbar vor Beginn des Tankvorgangs der Literzähler auf Null gesetzt werden muss. Tut man das nicht, springt die Pumpe nicht an!

Allgemeine Tipps zum Thema Tanken (Avgas) in Frankreich:

- Bei der Planung aufmerksam das Aerodrome Directory der AIP bzw. des Jeppesen studieren. AVGAS100LL wird bei Jeppesen mit „F-3“ abgekürzt. Übrigens: der allgemeine französische Begriff für Benzin ist "essence".

Ein paar Fragen, die man an kleinen Plätzen gelegentlich braucht:

"Est-ce que vous me pouvez donner de l'essence?" (Können Sie mir Treibstoff verkaufen?)

"Comment peut-on payer l'essence?" (Wie kann man den Treibstoff bezahlen?

"Ça coute combien le litre, toutes taxes comprises? (Wievel kostet der Liter, inklusive aller Steuern?

"Avec les espèces?" (Mit Bargeld?) "Avec la carte bleue / carte de credit?" (Mit der ec-Karte / Kreditkarte?)

"Le [Wochentag] / le [xx] heure, est-ce qu'il y aura quelqu'un qui pourrait me donner de l'essence?"

- Wichtig: wenn man nicht selbstständig mit einem Carnet tanken kann, muss man auf die Öffnungszeiten der Tankstellen achten: insbesondere in der südlichen Hälfte des Landes macht das Personal auf den mittelgroßen Plätzen meist eine Mittagspause. Empfehlung: Flüge wenn möglich immer so planen, dass man spätestens um 12:30 (oder nach 14:00 Uhr) landet.

- Wichtig, auch wenn es eine Wiederholung ist: an kleinen (oft unbesetzen) Aeroclub-Plätzen in der Provinz ist es so, dass man - obwohl man starten und landen darf - nicht fest davon ausgehen kann, dort auch immer sofort Sprit zu bekommen (es sei den man hat eine Tankkarte und der Platz den entsprechenden Automaten). Also: stets und immer tanken zu können nicht so selbstverständlich wie in Deutschland.

- Möchte man direkt nach der Landung tanken (allgemein immer dringend empfohlen), dies dem AFIS bzw. dem Turm am besten gleich beim Abrollen von der Piste (oder gar schon während des Anflugs) mitteilen, um Wartezeiten zu vermeiden ("nous voudrions ... tout de suite / après l'atterissage"). Dabei immer betonen, dass man AVGAS braucht, damit man nicht zum falschen Platz gelotst wird, bzw. der falsche Truck kommt. Im Übrigen gibt es an einigen etwas größeren Plätzen (z.B. Le Touquet oder Montpellier) die Wahl zwischen einem Betankungsservice per Tanklaster, oder der Self-Service-Betankung an einen fixen Tankstelle. Letzteres kostet dann meist einige cent pro Liter weniger und es gibt keine Gefahr, warten zu müssen.

- Wichtig, wenn man keine Tankkarte hat (oder die Kartenterminal keine Kreditkarten akzeptiert) braucht man in der Regel für den Tankvorgang Hilfestellung. Nicht immer fragt der TWR-Lotse bzw. der AFIS-Mann, nachdem man auf der Frequenz seinen Tankwunsch kundgetan hat, ob man denn ein Carnet hat. Daher kann es passieren, dass man zur Tankstelle rollt und danach wartet und wartet und wartet - und keiner kommt. Daher: von sich aus klarmachen, dass man keine Tankkarte hat und Hilfestellung zum Tanken benötigt ("nous n'avons pas de carnet pour l'essence.... donc, nos aurions besoin d'assistance, s'il vous plaît").

Kanalinseln

Wenn man im Nordwesten Frankreichs unterwegs ist, lohnt sich ggf. für den Tanken ein Sprung auf die sehr nahe der Küste liegenden Kanalinseln. Denn:

Aufgrund ihres Sonderstatuses (nicht Miglied der EU) ist auf allen drei Kanalinseln das Tanken umsatz- und mehrwertsteuerfrei; der Preis in Jersey und Guernsey beträgt ca. 1,35 Euro, wobei AOPA-Mitglieder in Guernsey und Jersey darauf nochmals einen Rabatt von ca. 10 cent bekommen! Alderney ist stets etwas teurer.

Bedenken sollte man allerdings, dass man bei einem Flug von Frankreich auf die Kanalinseln sowohl beim Start als auch bei der Rückkehr auf einem Zollflughafen landen muss (und diese in Frankreich mittlerweile leider meist recht lange Voranmeldefristen für den Zoll haben). Wenn man allerdings einen Aufenthalt auf den schönen Channel Islands ohnehin geplant hat (sehr lohnenswert!), sollte man vor Ort natürlich auch volltanken. Für weitere Infos zu den Kanalinseln siehe www.fliegen-in-uk.de.

Andere Länder

Wie gesagt, es gibt (abgesehen von den Kanalinseln) im Prinzip keine Nachbarländer, in denen Avgas günstiger ist als in Frankreich. Für den Fall, dass z.B. auf dem Weg von oder nach Deutschland doch getankt werden muss, sei gesagt, dass Avgas in Belgien tendenziell etwas weniger kostet wie in Deutschland, während es in den Niederlanden stets spürbar teurer ist. Auch in der Schweiz sind die Preise für Avgas eher einen Tick höher als in Frankreich, so dass sich ein ein Tankstopp kaum lohnt, zumal dann ja noch das Thema "Zollplatz" hinzukommt. In Luxemburg (ELLX) liegt Avgas preislich ähnlich (oder minimal günstiger) wie in Frankreich. Ein Tankstopp dort lohnt also auch eher weniger, zumal ELLX relativ hohe Gebühren hat.

2) AVGAS UL91

Was ist das?

Hierbei handelt es sich um das ursrprünglich von der Firma TOTAL vor ein paar Jahren Zeit eingeführte, mit 91 Oktan versehene Avgas. Diese Oktanangabe bezieht sich freilich auf MOZ und kann daher nicht ohne Weiteres mit den Oktanangaben bei Mogas (ROZ) verglichen werden. Es ist auch sonst in keinster Weise mit Mogas gleichzusetzten; es handelt sich um ein Avgas. Genau gesagt ist es mehr oder weniger einfach nur 100LL ohne den Bleizusatz, was dazu führt, dass das Produkt "nur" 91 Oktan (MOZ) hat. Es ist damit am ehesten mit dem seit vielen Jahren in Schweden verfügbaren Hjelmco 91/96UL zu vergleichen. In jedem Fall ist es garantiert ethanolfrei.

Wer kann es benutzen?

Zunächst einmal kann UL91 natürlich in allen Flugzeugen verwendet werden, die ohnehin bereits für den Betrieb mit Mogas zugelassen sind. Darüber hinaus aber kann UL91, da es (im Gegensatz zu "Straßentankstellenbenzin") Avgas-Standard (ASTM 7547) entspricht, ohne Bedenken hinsichtlich Ethanol-Anteil, Dampfblasenbildung etc. verwendet werden, aber eben nur für Flugmotoren, die für den Betrieb mit diesem Treibstoff freigegeben sind. Das sind derzeit sämtliche Rotax-Motoren (zertifiziert und nicht-zertifiziert) der 912er und 914er Baureihe. Außerdem sind auch eine ganze Reihe Lycoming-Motoren für UL91 zugelassen (fast alle Saugmotoren, teilweise auch die größeren mit Benzineinspritzung). Bei diesen muss dann allerdings ein Öl-Additiv (Anti-Scuffing Agent) verwendet werden, welches aber in vielen Ölen ohnehin bereits enthalten ist.. Bisher sind noch keine Continental-Motoren zugelassen, wobei in solchen Contis, die ohnehin für Mogas zugelassen sind (C-90, O-200, O300) technisch gesehen natürlich bedenkenlos UL91 verwendet werden kann.

Das besondere: Es ist keine weitere Zulassung für die Flugzeugzellen notwendig, insofern diese bereits gemäß Handbuch für Avgas zugelassen sind und eben der Motor für UL91 freigegeben ist.

Verfügbarkeit?

UL91 ist bisher nur an ca. 10-15 französischen Flugplätzen verfügbar; die Verbreitung ist also seit Einführung kaum mehr vorangeschritten. Meist handelt es sich um mittelgroße, eher aktive GA-Plätze mit ausreichend langen Bahnen. UL91 ist aber bisher an kaum einem der "größeren" Flughafen verfügbar. Eine Übersicht der von TOTAL betriebenen UL91-Tankstellen gibt es hier (etwas nach unten scrollen):

http://www.total.fr/mes-deplacements/aviation/essence-aviation/avgas-ul-91.html 

Darüber hinaus wird UL91 auch an ein paar weiteren Plätzen nicht von TOTAL, sondern von anderen Herstellern angeboten, z.B. in Grenoble Le Versoud (LFLG).

Preis?

Der Preis pro Liter liegt in Frankreich liegt derzeit auf mit 100LL vergleichbarem Niveau. Einsparen kann man daher leider praktisch nichts. Immerhin: Viele Betreiber - insbesondere von Rotax-Motoren sowie älteren, noch für 87er Avgas konzipierten Motoren - berichten von deutlich geringeren Problemen mit Ablagerungen auf den Zündkerzen und Ventilsitzen, als dies bei Benutzung von 100LL der Fall ist.

3) AUTOSUPER / BLEIFREI / "MOGAS"

Dies wird im Jeppesen und in der AIP unterschiedlich abgekürzt; (manchmal findet man dort so etwas wie "unleaded 95", "SP98", oder Ähnliches.

Mogas ist aber leider (offiziell und von einer richtigen Zapfsäule) nur an sehr wenigen Plätzen in Frankreich verfügbar. Ein paar Beispiele sind die Plätze Abbeville LFOI, Dijon-Darois LFGI, Orléans LFOZ, Arras-Roclincourt LFQD und Bellgarde-Vouvray (LFHN).

Einige Plätze, die früher Mogas hatten (z.B. Gap-Tallard LFNA, Carpentras LFNH oder Bourg (LFHS)) sind mittlerweile auf UL91 gewechselt. Die Preisdifferenz von Mogas zum (qualitativ hochwertigerem) Avgas UL91 ist zwar nicht riesig, aber dennoch deutlich spürbar (ca. 30-40 cent). Anderserseits stellt sich die Frage, ob es sinnvoll ist, für diesen Betrag die höhere Gefahr von Ethanolbeimischungen beim Mogas in Kauf zu nehmen.

Sparen kann man mit Mogas allerdings noch etwas mehr, wenn man Kanisterbetankung mit Tankstellensprit macht. Dies ist aber an den größeren (="überwachten") Plätzen oft kaum möglich; außerdem muss man dabei noch etwas mehr auf etwaige erhöhte Ethanolanteile achten. An kleinen und ganz kleinen Flugplätzen und allgemein in der UL-Szene ist diese Art der Betankung hingegen absolut üblich. Verbraucht Ihr Flieger weniger als 20 Liter pro Stunde (Rotax, Jabiru, Limbach, etc.), kann das eine sehr gute Alternative sein. Kosten dann so ca. 1,40 Euro pro Liter.

Doch Mogas-Flieger sollen nicht verzagen. "Inoffiziell" gibt es Mogas noch an deutlich mehr Plätzen in Frankreich. Man darf nicht vergessen, dass es dort ebenso wie in Deutschland eine sehr große UL-Szene gibt. Dadurch gibt es - natürlich vor allem an den kleinen Plätzen - häufig irgendwo einen kleinen Tank mit Mogas bzw. Tankstellensprit. Man muss in diesen Fällen halt ein bisschen mehr herumfragen und auch flexibel bleiben und Wartezeiten einkalkulieren. Wer strikt nach Zeitplan durch Frankreich fliegen möchte, sollte allerdings "offizielle" Tankstellen bevorzugen.

4) JET A-1 / DIESEL

Jetfuel ist in Frankreich - zumindest im Vergleich zu Deutschland - sehr günstig ( ca. 1,20-1,60 Euro, im Schnitt ca. 1,35 Euro pro Liter).

Jet gibt es praktisch an allen größeren Flughäfen sowie an den meisten mittelgroßen Plätzen; an vielen kleinen Plätzen allerdings gibt es nur Avgas. Der monatsaktuelle TOTAL-Preis für Jet ist stets hier hinterlegt (etwas nach unten scrollen):

http://www.total.fr/carburants/les-carburants-aviation/carte-air-total.html 

wobei dort der steuerfreie Preis angegeben ist. Das TOTAL-Carnet für Jetfuel kann man nämlich leider nur als gewerblicher Operator bekommen. Das ist unglücklich für private Jet-Verbraucher. Bei BP besteht diese Einschränkung nicht.

Noch günstiger als in Frankreich is Jet-A auf den Kanalinseln; wenn man dort vorbei kommt, lohnt sich also ein Tankstopp. Am allergünstigsten tankt man Jetfuel in Mitteleuropa nach wie vor in Luxemburg (ELLX); der Liter kostet dort knapp über 50 cent. In vielen Fällen lässt sich bei Flügen von und nach Frankreich ELLX recht gut als Tankstopp einbauen, da es oft mehr oder weniger genau auf dem Weg liegt. Ohne Landegebührenkonto in ELLX (welches man mittlerweile nicht mehr ganz so problemlos einrichten kann) muss man dort allerdings eine Handling-Gebühr bezahlen.

Auch in Belgien ist Jetfuel sehr günstig (ca. knapp unter 1 Euro pro Liter).

Ansonsten gelten grundsätzlich dieselben Tipps wie im Abschnitt über AVGAS.

Aufgrund des in Frankreich sehr günstigen Jetfuel-Preises macht es keinen Sinn, stattdessen Diesel zu tanken. Man kann dieses ohnehin an keinem Flugplatz bekommen, aber natürlich an einer möglicherweise nahe gelegenen Autotankstelle (ca. 1,30 Euro pro Liter), was für Flieger mit Centurion-Motor oder Austro-Motor zumindest eine Notlösung sein kann.


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