Flugvorbereitung/Zoll
Zoll / Einreise

VORWEG: Derzeit geht es mit dem Thema "Einreise" in Frankreich leider etwas drunter und drüber. Los ging es mit den Anschlägen in Paris Ende 2015. Es wurde schließlich ein Ausnahmezustand verhängt, welcher letztlich vor dem Hintergrund der Fußball-EM noch ausgedehnt wurde. Dann folgten bekanntlich weitere Anschläge. Dazu kommt die ganze aktuelle Flüchtlingsthematik. Auch wenn der offizielle Ausnahmezustand Ende Oktober 2017 ausgelaufen ist, so bestehen weiterhin einige lokale Sonderregelungen, die kurz erläutert sein müssen:

Und zwar ist es so, dass viele französische Flughäfen derzeit auch für Flüge, die eigentlich gar keine Grenzpolizei erfordern (z.B. aus oder nach Deutschland), eine PPR-Anmeldung fordern, sprich: diese Flüge müssen vorab, teilweise sogar mit 24 Stunden Vorlauf, dem französischen Zoll avvisiert werden. Dies gilt für Plätze, die grundsätzlich die Möglichkeit der Ein- oder Ausreisekontrolle ("point de passage frontarlier") bieten, wo dies aber mit einer Voranmeldung verbunden ist. Wie gesagt: dort derzeit oft auch für Flüge, mit denen gar keine Schengen-Ein-oder Ausreise stattfinden soll. Etwas bizarr.

Dies wird außerdem von Platz zu Platz völlig uneinheitlich gehandhabt. Daher kann ich nur folgende Tipps geben: die NOTAMs noch genauer studieren als bisher. Leider kümmern sich viele Plätze aber nicht mal um die Herausgabe eines NOTAMs, sondern schreiben lediglich einen kleinen Hinweis auf ihre (oft nur auf Französisch verfügbare...) Website. Das geht natürlich genau genommen gar nicht. Es führt aber dann womöglich dazu, dass es - wenn man sich NICHT vorab angemeldet hat- vor Ort zumindest etwas "Palaver" gibt, was man sich sicher lieber sparen möchte.

Da einige Plätze sich wie gesagt nicht mal die Mühe machen, ein NOTAM herauszugeben, empfehle ich außerdem, und zwar mindestens zwei Tage vor dem Flug selbst, sich im Zweifel direkt beim Zielflughafen darüber zu erkundigen, was denn konkret für internationale Flüge gefordert wird.

Oder aber - am einfachsten - man verwendet für Ein- und Ausflüge (innerhalb der EU- & Schengenraums) einfach nur noch "kleine" Plätze, die formal gar keinen Zoll-/Einreisestatus haben, denn diese unterliegen dann auch keiner PPR-Anforderung dafür (dürfen aber natürlich - in Abwesenheit eines entsprechenden NOTAMs - weiterhin angeflogen werden). Dies bestätigt auch das Ende 2017 verabschiedete Arrêté du 24 Octobre 2017. Insgesamt bleibt es aber dabei: die Situation ist leider unbefriedigend, und es bleibt sehr zu hoffen, dass sich das alles bald wieder etwas normalisiert.

So, nun aber zu den generellen Infos bezüglich den Regelungen zum Thema Zoll / Einreise in Frankreich:

Das Thema Zoll / Einreise ist in Frankreich (zumindest für "Besuchende" aus Deutschland und Österreich) glücklicherweise kein besonders großes Thema, denn Frankreich gehört bekanntlich auch zur Gruppe der Mitglieder der EU-Zollunion und Vollanwender des Schengener Abkommens. Das bedeutet also: man kann, wie man es seit Jahren in den meisten Teilen Europas gewohnt ist, salopp gesagt einfach einen Flugplan machen und los, ohne Rücksicht auf den Zollstatus des Start- und Landeplatzes. Dies gilt also u.a. für Flüge von und nach Deutschland, die Niederlande, Dänemark, Belgien, Portugal, Spanien, Österreich und Italien.

Wirklich relevant ist im Zusammenhang mit Frankreich also das ganze Zoll- und Einreisethema eigentlich weitestgehend nur für zwei Gruppen: 1. Piloten, die von der Schweiz aus in Richtung Frankreich fliegen bzw. wieder zurück und 2. Piloten, die von Frankreich auf die Britischen Inseln (oder Kroatien) bzw. wieder zurück wollen.

Zu 1.: Bei diesen Flügen ist bekanntlich in Frankreich eine reine Zollkontrolle notwendig, denn die Schweiz ist Schengen-Vollanwender. Man muss also gut prüfen, ob auf dem angepeilten Landeplatz in Frankreich "Zoll" (französisch: "douanes") zur Verfügung steht und ob dies mit einer Voranmeldung verbunden ist.

Das einzige Ärgernis ist: Frankreich hat 2012 einer ganze Reihe von mittelgroßen und kleineren Fluglätzen den Status als "Zollplatz" aberkannt, insbesondere auch in der Nähe der Schweizer Grenze, so dass es in dieser Gegend mit Zollplätzen mittlerweile hier und da etwas mau aussieht. Also: unbedingt genau prüfen, ob auf dem geplanten Platz tatsächlich Zoll gemacht werden kann (auch die NOTAMs checken!) und ob dafür eine Voranmeldung notwendig ist. Hinweis: 2016 haben nochmals eine ganze Reihe von Plätzen ihren Status als Schengen-Grenzübergangspunkt verloren; dies betrifft allerdings Flüge aus der und in die Schweiz nicht, denn die Schweiz ist ja Teil des Schengen-Raums, und es geht hier ja um das Thema EU-Grenzen.

Man muss also schon sehr genau hinsehen; früher galt für Frankreich weitestgehend, dass Zoll und Einreise an den Flughäfen Hand in Hand gingen. Dies ist heutzutage nicht immer unbedingt mehr der Fall. Noch noch ein Beispiel: die drei beliebten Pariser GA-Plätze Toussus-Le-Noble (LFPN), Lognes-Emerainville (LFPL) und Pontoise (LFPT) haben ihren "Zollstatus" zwar verloren. Genau genommen ist es aber so, dass lediglich der Status als "Einreiseplatz" ("point de passage frontarlier") verloren gegangen ist, man aber weiterhin "Zoll" machen kann. Das heißt, dass dort (mit PPR) weiterhin Flüge von und zu Nicht-EU-Staaten erlaubt sind, solange man innerhalb von Schengen bleibt. Mit anderen Worten: Flüge von und in die Schweiz sind möglich; Flüge von und nach UK aber nicht.

Hier ein paar Tipps für Zollplätze in unmittelbarer Nähe der Schweizer Grenze: Annemasse (LFLI), Grenoble St. Geoirs (LFLS), Annecy (LFLP), Chambery (LFLH, laut AIP aber nur für kommerzielle Flüge), Colmar (LFGA, allerdings nur mit 24h PPR!), Besançon (LFQM), Dole-Tavaux (LFGJ), Montbéliard (LFSM), Pontarlier (LFSP).

Dazu kommen natürlich die beiden (recht teuren und weniger GA-freundlichen) Flughäfen Basel (LFSB) und Genf (LSGG), die beide doppelten Zollstatus (Schweiz und Frankreich) haben.

Natürlich spricht auch nichts dagegen, bei einem Flug z.B. von der Schweiz aus die EU-Einreise zunächst z.B. in Deutschland zu machen und dann nach Frankreich weiterzufliegen.

Nun zu 2.: Wie schon oben angeklungen, UK (genau wie Irland und die Kanalinseln, und eben auch Kroatien) ) ist der "umgedrehte Fall" zur Schweiz, d.h. sie sind zwar Mitglied in der EU-Zollunion (noch!), aber kein Vollanwender des Schengener Abkommens. Also muss man beim Ein- und Ausflug aus Frankreich stets eine Grenzkontrolle machen. Hierfür braucht man einen Platz, der solch eine Grenzkontrolle/-abfertigung erlaubt ("point de passage frontarlier"). Leider haben sehr viele dieser Plätze mittlerweise eine PPR-Regelung für Ein- oder Ausreise, da an vielen Plätzen die Polizei (oder der die Kontrolle durchführende Zoll) nicht mehr permanent am Platz sind. Standardgemäß werden mitterlerweile sogar 24 Stunden Vorlauf gefordert!

Tipps für beliebte französische Zollplätze direkt am Kanal sind: Calais (LFAC), Le Touquet (LFAT), Le Havre (LFOH), Deauville (LFRG), Cherbourg (LFRC) und Caen (LFRK); bei diesen ist aber überwiegend für so etwas eine vorige Einreiseanmeldung (teils aber nur mit ein paar Stunden Vorlauf) notwendig, teils direkt an den Zoll, teils auch indirekt über die Flughafenleitung.

Für Paris-Besucher: Schengen- Ein- bzw. Ausreise von und zu den Britischen Inseln ist wie gesagt in Toussus-Le-Noble (LFPN), Lognes-Emerainville (LFPL) und Pontoise (LFPT) nicht mehr möglich. Einzige Option für eine Schengen- Ein-oder Ausreise im Großraum Paris ist mittlerweile der Platz Beauvais (LFOB); dieser ist zwar schon recht weit von Paris entfernt, hat aber dank Ryanair eine recht gute Anbindung mittels Bus. Die andere Alternative ist, zunächst auf einem Platz nahe am Kanal die Einreise zu machen und dann nach Paris (z.B. St. Cyr, LFPZ) weiterzufliegen.

In jedem Fall: immer aufmerksam die NOTAMs checken, denn die Zoll- und Grenzkontrollregelungen der Flugplätze ändern sich recht häufig.

Für alle Zoll- und Einreisethematiken, die bei solchen Flügen die Seite der Britischen Inseln betreffen, sei hier auf www.fliegen-in-uk.de verwiesen.

Noch zwei Hinweise zum Umgang mit dem Zoll bzw. der Grenzpolizei in Frankreich: sollten Sie in Frankreich landend oder in Frankreich startend einen Flug mit Start oder Ziel außerdem des Schengenraums oder EU-Raums durchführen: 1.: bei Plätzen mit permanenter Präsenz der Zolls bzw. der Polizei: gehen Sie vor dem Start bzw. nach der Landung in deren Büro vorbei und melden sich. Das wird so gefordert. Es reicht also nicht, einfach nur einen solchen Platz benutzt zu haben, sondern man sollte sich aktiv dort zur Kontrolle melden. Und 2.: bei Plätzen, wo Zoll bzw. Polizei nicht permament vor Ort sind, Sie also hierfür eine PPR-Anfrage gestellt haben und die Leute somit (ggf.) extra für ihren Flug zum Platz kommen: verlassen Sie zum Start nie die Parkposition vor dem im Flugplan angegebenen EOBT; manchmal kommen die Leute nämlich auf die letzte Minute doch noch zur Kontrolle. Genauso bei der Landung: verlassen Sie das Flugzeug nach der Landung nicht vo Ablauf der flugplangemäßen ETA!

Abschließend noch Folgendes: Sollten Sie ein N-registriertes Flugzeug fliegen und damit nach Frankreich kommen, machen Sie sich ganz besonders auf eine mögliche Zollkontrolle gefasst. Es ist so, dass N-registrierte Flieger ganz besonders im Visier des französischen Zolls sind. So kommt es vor, dass dieser (durch Flugplandaten avvisiert) nach dem Stichprobenprinzip N-regs. kontrolliert. Dies passiert wohlgemerkt auch auf kleinen Provinzplätzen; die Zollleute kommen dann - meist durch den Flugplan informiert - dorthin gefahren. Von maximaler Wichtigkeit ist hier, dass man Dokumente mit sich führt, welche zweifelsfrei die Entrichtung der Einfuhrumsatzsteuer in einem EU-Land belegen. Klassischerweise ist dies das so genannte "T2L". Achten Sie darauf, dass dies (oder die Kopie, die Sie mitführen) gut leserlich ist, inklusive der (möglicherweise viele Jahre alten) Stempel. Idealerweise hat man auch Kopien der Rechnung(en) dabei, mit der die Einfuhr beglichen wurde. Dies bitte nicht auf die leichte Schulter nehmen - ich rede aus Erfahrung...


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