Flugvorbereitung/Flugpläne & NOTAMs
Flugpläne & NOTAMs

Dieser erste Abschnitt über Flugpläne befasst sich vorwiegend mit VFR-Flugplänen. Zu IFR-Flugplänen siehe den Abschnitt „IFR in Frankreich“.

Grundsätzlich gibt es für die Aufgabe von Flugplänen und damit zusammenhängenden Aufgaben in Frankreich natürlich einen AIS, welcher in Frankreich "SIA" heißt ("Service de L'Information Aeronautique"). Dieser ist allerdings nach wie vor dezentral organsiert, d.h. es gibt regional zuständige Büros. Diese werden in Frankreich als BRIA (Bureau Régional d'Information Aeronautique) bezeichnet.

Früher gab es davon knapp zwei Dutzend. 2017 sind davon nur vier Stück übrig geblieben (Bordeaux, Marseille, Ajaccio und Paris-Le Bourget). Aus dem Ausland aufgegebene Flugpläne landen mittlerweile stets zur weiteren Bearbeitung beim BRIA von Le Bourget. Für ALLE diese BRIAs lautet die Telefonnummer mittlerweile:

+33 (0)156 301 301 (man wird automatisch jeweils an das geographisch zuständigge BRIA weitergeleitet).

Es sind keine e-mail Adressen veröffentlicht. Faxnummern gibt zwar, aber wer benutzt heute schon noch Fax?

Siehe auch:

Homepage des SIA (dort in der linken Menüleiste auf "Assistance BRIA" klicken).

Die Leute bei den BRIAs sprechen mittlerweile durchweg recht passables Englisch. Mit der o.g. Telefonnummer kann man nach der Landung auch Flugpläne schließen.

Flugplanpflichten

Für jeden genzüberschreitenden Flug fordert Frankreich nach wie vor die Aufgabe eines Flugplans. Außerdem sind auch Inlandsflüge, welche aber außerhalb der Gleitdistanz von Land führen (z.B. vom Festland nach Korsika, und wohl auch auf die Île d'Yeu) ebenfalls flugplanpflichtig. Bei Flügen auf die Inseln Belle Île, Oléron und Ouessant kann man darauf verzichten.

Für "normale" VFR-Inlandsflüge am Tage gibt es grundsätzlich keine Flugplanpflicht, auch an den großen Flughäfen nicht.

Für IFR-Flüge (auch komplett im unkontrollierten Luftraum) ist die Aufgabe eines Flugplans immer Pflicht. Das selbe gilt für die allermeisten VFR-Nachtflüge.

Auch für Flüge zwischen Frankreich und den Kanalinseln ist - obwohl letztere innerhalb der Brest FIR liegen - stets ein Flugplan aufzugeben. Auch die zu fliegenden Routen hierfür in der AIP, Abschnitt ENR 1.2, vorgegeben.

Ausfüllen des Flugplans

Das anzuwendende Format ist ICAO-Standard. Einen französischen Vordruck habe ich bei den Downloads hinterlegt.

Folgende Details dazu:

Route: Mindestens alle 30 Minuten Flugzeit soll ein Wegpunkt angegeben werden. Dieses sollten keine geographischen Orte oder Flugplatzkennungen sein. Es sollten stattdessen entweder Navigationsanlagen, Distance- und Radial-Angaben von Navigationsanlagen, fünfstellige ATS-Waypoints oder Koordinaten sein - jeweils durch ein "DCT" getrennt. In der Praxis empfehle ich, die fünfstelligen ATS Waypoints (machmal fälschlicherweise auch als "IFR-Waypoints" oder gar als "Intersections" bezeichnet) zu verwenden, oder, wo es von der Route her passt, VORs.

Beim Überflug französischer Staatsgrenzen ist in Feld 18 unter "EET/" die Flugzeit und der Punkt des Grenzüberflugs einzutragen.

In Feld 15 muss der Grenzüberflugpunkt in Richtung Frankreich eingetragen werden und in Feld 18 hinter der Gruppe "EET/" der Estimate für die Flugzeit bis zu diesem Punkt. Es sei hier außerdem am Rande erwähnt, dass man sich in Frankreich zum Zeitpunkt des Einflugs in den französischen Luftraum beim FIS zu melden hat (Deutschland besteht hierauf z.B. nicht). Details hierzu gibt es in der AIP, Abschnitt ENR 1.1.

Dazu kommt, dass für Flüge über Wasser - ähnlich wie in UK - in Feld 15 (also dem Routenfeld des Flugplans) so genannte "coast crossing landmarks" eingetragen werden müssen, also signifikante geographische Punkte, wo die Küste verlassen bzw. wieder erreicht wird.

Notfall-Equipment: Bei Flügen über Wasser sind mindestens Schwimmwesten vorgeschrieben (und natürlich auch sinnvoll). Daher im Flugplan die entsprechende Angabe nicht vergessen. Bei größeren Distanzen über das Wasser ist auch ein Raft vorgeschrieben.

Besonderheit bei VFR-Cross-Channel-Flügen sowie Flügen zwischen dem Festland und Korsika: hier müssen die Routen entlang festgelegter Punkte geplant werden (im Fluge sind dann mit Zustimmung von ATC aber auch Abweichungen möglich). Siehe AIP, ENR 1.2.

Flugplanaufgabe vor Ort

Grundsätzlich müssen VFR-Flugpläne laut SERA 60 Minuten vor EOBT aufgegeben werden. In der Praxis funktionieren aber auch etwas geringere Vorlaufzeiten. Man sollte aber nicht nur 10 oder 15 Minuten Vorlauf geben. Die französischen BRIAs sperren sich manchmal, wenn sie solche FPLs erhalten. Und auch wenn nicht: man läuft dann das Risiko, im Flugzeug zu sitzen, anzulassen, und der Turm oder der AFIS hat dann den Plan noch nicht, weil er schlicht vom BRIA noch nicht bearbeitet und verteilt wurde.

Die Aufgabe geschieht in Frankreich klassisch durch einen Anruf direkt beim zuständigen BRIA (siehe oben). Faxnummern sind nicht mehr veröffentlicht. Außerdem erlaubt der französische SIA schon seit vielen Jahren auch die Online-Aufgabe von Flugplänen. Hierzu gibt es ein Online-Portal, welches den schönen Namen "OLIVIA" hat.

OLIVIA 

Dort kann man Flugpläne aufgeben und natürlich auch Änderungen an seinen Flugplänen vornehmen. Dies alles gilt allerdings nur für Flüge innerhalb Frankreichs oder bei internationalen Flügen mit Start in Frankreich.

Natürlich kann man seine Pläne auch über Flugplanungsdrittanbieter, wie z.B. Rocketroute, Aeroplus, Autorouter, Eurofpl oder Skydemon aufgeben. Das ist meist deutlich komfortabler; denn dank dieser Services braucht man sich nur nicht mehr zu fragen, wo oder bei wem man seinen Flugplan aufgeben kann, etc. - eine große Erleichterung und Zeiteinsparung auf Reisen.

Das Online-Portal der DFS kann für im Ausland startende Flüge ebenfalls verwendet werden. Die DFS macht dann allerdings nichts anderes, als den Plan an das zuständige französische BRIA-Büro weiterzureichen, welches auch dann für die Durchadressierung zuständig ist. Wenn man gerade mal die BRIA-Kontaktdaten nicht zur Hand hat (oder sich nicht mit OLIVIA anfreunden will) ist das eine Möglichkeit. Wegen der zusätzlichen Weiterleitung sollten man dann den Flugplan aber nicht allzu kurzfristig aufgeben.

Sobald ersichtlich wird, dass Sie die in Ihrem VFR-Flugplan eingetragene EOBT um mehr als 30 Minuten überschreiten werden, müssen Sie eine Delay-Message abgeben, ansonsten müssen Sie im schlimmsten Fall damit rechnen, dass der Flugplan im Papierkorb landet.

Maximal können Flugpläne 144 Stunden vor der EOBT aufgegeben werden (gegebenenfalls auf keinen Fall den DOF-Indicator vergessen!).

Der KNACKPUNKT aber bleibt: der französische AIS ist die Schwachstelle des ganzen Systems. Man darf sich diesen nicht wie den sehr effizienten und zuverlässigen deutschen AIS vorstellen. Ganz besonders schlimm ist es immer wieder im Hochsommer (August), weil dann urlaubsbedingt auch noch Personalmangel herrscht. Leider gehen immer wieder VFR-Flugpläne "verloren". In der Regel, weil der AIS den Plan komplett verschlampt oder vergessen hat, oder weil die Adressierung an die betroffenen Stellen nicht richtig vorgenommen wurde. Schützen kann man sich auf zweierlei Weise davor: 1. vor dem Start beim Turm / AFIS anrufen und fragen, ob der Flugplan auch vorliegt (bei Starts von Plätzen ohne ATS sollte beim zuständigen BRIA anrufen und fragen, ob der Plan erhalten und verteilt wurde). 2. kann man davon ausgehen, dass bei Aufgabe direkt beim BRIA (via Telefon) weniger risikoreich ist. Die Aufgabe über Skydemon etc. ist etwas problematischer, schlicht weil die Gefahr besteht, dass der Plan eben beim AIS (in deren Software-System) unbearbeitet liegen bleiben könnte.

Öffnen und Schließen von Flugplänen

Zunächst zum Öffnen der Flugpläne (hier wird im Englischen das Wort "activate" und nicht: "open" verwendet): Wenn man in Frankreich von einem Flugplatz mit ATS-Stelle (also einem solchen mit aktivem "Tower" oder aktivem "AFIS") startet, wird der Flugplan von dieser ATSU automatisch geöffnet. Wenn man aber von einem anderen Platz startet, muss man dies selbst nach dem Start per Funk an die regional zuständige ATC- oder FIS-Stelle machen. Soweit alles nicht viel anders als in Deutschland.

Nun zum Schließen der Flugpläne: Auch hier gilt, dass diese automatisch geschlossen werden, insofern man man auf dem Platz mit aktiver ATS-Stelle (also wie gesagt: auch im Fall nur eines "AFIS") landet.

Wenn man aber auf einem anderen Platz (ohne in Betrieb befindliche ATS-Stelle) landet, ist es so, dass natürlich erstmal niemand den Flugplan schließt. In diesem Fall muss man den Flugplan nach der Landung telefonisch schließen (ein Schließen noch im Fluge bei ATC/FIS wird in Frankreich meist nicht zugelassen; die AIP enthält hierzu leider widersprüchliche Aussagen). Und zwar bekommt man enteder vom Lotsen bevor man dessen Frequenz verlässt eine Telefonnummer genannt (meist ist die eigene Nummer der entsprechenden ATC-Station) oder man schließt den Flugplan durch einen Anruf direkt beim BRIA, und zwar wiederum unter der Nummer:

+33 (0)156301301

Also: bitte unbedingt daran denken, den Flugplan zu schließen! Egal, wie euphorisch man nach der Landung nach einem schönen Flug ist oder wie geschafft man ist - als erstes: Flugplan schließen! Es gibt eben in Frankreich meist nicht das Sicherheitsnetz in Form des "Flugleiters", der im Zweifel vom AIS erreicht werden kann und dann die Ankunft bestätigt. Und für den Fall, dass Sie es doch mal vergessen sollten: geben Sie unbedingt im Flugplan ihre Handynummer an! Aber auch das hilft nur, wenn es eingeschaltet ist!

Und: Falls man auf einem anderem als seinem geplanten Zielflugplatz (mit ATS-Stelle) gelandet ist, ist unbedingt das BRIA darüber zu informieren, da natürlich der geplante Zielflugplatz aufgrund der Flugplans mit dem Flugzeug rechnet und sonst früher oder später SAR auslösen wird. Wenn der angeflogene Ausweichsplatz eine ATS-Stelle hat, kann man diese natürlich darum bitten, die Ausweichlandung mitzuteilen.

NOTAMs

Das Einholen der (sowohl airport- als auch FIR-bezogenen) NOTAMs ist eigentlich ohnehin ein Pflichtelement jeder Flugvorbereitung. Umso wichtiger ist dies, wenn man auf größerer Flugreise ist, wo Überraschungen (kein Sprit, Flugplatz geschlossen, etc.) umso ärgerlicher sein können. Dazu kommen in Frankreich die vielen zeitlich variablen Flugbeschränkungsgebiete.

Besonders wichtig ist es bei jedem NOTAM-Briefing, keine falschen Filter-Einstellungen zu haben, wodurch z.B. NOTAMs, die älter als 90 Tage sind, ausgeblendet werden.

Auch für die NOTAMs ist in Frankreich natürlich der SIA, also der französische AIS der Ansprechpartner. Selbiges gilt zur Abfrage der aktiven Tiefflugstrecken.

Homepage des SIA

(Dort links auf "NOTAM" klicken). Oder direkt:

http://notamweb.aviation-civile.gouv.fr (dort ist die Seite dann auf "Englisch" einstellbar).

Alternativ kann man über das französische Self-Briefing-System OLIVIA gehen.

Allerdings: bei Privatflugplätzen und UL-Geländen muss man sich direkt beim Platzbetreiber erkundigen, da dieser ja nicht in der AIP geführrt sind und es deshalb auch keine NOTAMs dafür gibt.

Bei den NOTAMs sollte man aber keinesfalls die routenbezogenen NOTAMs (die unter der Kennung der entsprechenden FIR veröffentlicht werden) vergessen. Insbesondere gilt das wegen der in Frankreich so zahlreichen temorär eingerichteten, beschränkten Lufträume, sowie um Informationen über die Aktivität der "normalen" Flugbeschränkungsgebiete zu erhalten.

Oft wird in NOTAMs auf AIP SUPs (und gelegentlich auch auf AICs) verwiesen, wo das NOTAM dann näher erläutert wird und häufig auch eine kleine Karte zur Verfügung gestellt wird. Diese SUPs sind ebenfalls mit wenigen Klicks auf der Homepage des SIA einsehbar. Alle AIP-Inhalte sind sowohl auf Französisch, als auch auf English verfügbar.


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