Flugdurchführung/UL
UL-Fliegen in Frankreich

1. In Frankreich ein F-registriertes UL chartern

In Frankreich ist vor allem der Begriff "ULM" geläufig. Dreiachser werden in Frankreich als "classe 3 ULM" eingeordnet. Kommerziell zu chartern gibt es ULs nur sehr selten. Ferner wird der deutsche UL-Schein leider nicht auf französischen ULs anerkannt. Diese Route verschließt sich damit leider weitgehend. Zwar kann man relativ einfach den französischen UL-Schein erwerben, aber ganz so schnell und einfach geht das dann natürlich doch wieder nicht.

2. Mit einem D-registrierten UL nach Frankreich fliegen

Siehe dazu hier:

"MLA Flying in Europe" 

unter "France". Es ist grundsätzlich für den Einflug nach Frankreich KEINE Einflugerlaubnis erforderlich (Achtung: alleine für den Durchflug in Belgien theoretisch schon, es schert sich der Praxis aber eher kein Mensch darum; auch dann nicht, wenn er zwischendurch in Belgien an irgend einem Platz landet).

ABER: es gibt seit Ende 2020 einen Haken. Bekanntlich werden in Deutschland seit einiger Zeit auch ULs mit bis zu 600kg MTOW zugelassen. Diesen von der Europäischen Union ermöglichten Weg ist Frankreich aber nicht in Gänze mitgegangen. Konkret dürfen ULs dort nur ein MTOW von maximal 525kg haben; Geräte mit höherem MTOW gelten dort folglich nicht als UL. Heißt also, wenn ihr UL für mehr als 525kg zugelassen ist, dann kommt dieses nicht mehr in den Genuß der oben genannten Einflugerlaubnisbefreiung. Man muss mit solchen Geräten nun vorab eine Genehmigung aus Frankreich einholen, welche auch nicht kostenlos ist (50 Euro). Ob man das in der Praxis macht, ist wieder eine andere Frage; es sei aber hier darauf hingewiesen, wie die Rechtslage nun ist.

Reine UL-Piloten brauchen übrigens keine ICAO English Proficiency in Frankreich.

3. Allgemeines zum UL-Fliegen in Frankreich:

Grundsätzlich stehen sehr viele der in der AIP veröffentlichten Plätze in Frankreich für ULs offen. Aber eben nicht alle. Allgemein kann man sagen, dass die größeren Plätze, die auch Linienverkehr haben, keine ULs erlauben; die meisten reinen GA-Plätze aber schon (dann aber teilweise mit PPR). Traurige Ausnahme: Cannes-Mandelieu (LFMD). Exakte Auskunft erteilt jeweils natürlich der AIP-Eintrag bzw. besser das VAC-Blatt des entsprechenden Platzes. Auch die Plätze auf Korsika haben überwiegend recht starke Einschränkungen für ULs.

Bei manchen Plätzen treffen diese Verbote nur auf gewichtskraftgesteuerte ULs zu. Man sollte als UL-Pilot also unbedingt den entsprechenden Platzabschnitt der AIP studieren und prüfen, was dort zu ULs steht; im Zweifel bei dem Platz direkt erfragen. Beispiel: auf Korsika z.B. mögen die meisten Plätze keine ULs bzw. erfordern zumindest PPR.

Außerdem gibt es die Einschränkung, dass UL-Piloten Plätze, die Instrumentenflugverfahren haben nur dann nutzen dürfen, wenn sie ein Funkzeugnis haben. In dieser Konstellation muss das natürlich ein englischsprachiges Funkzeignis sein, also bei deutscher Lizenz mindestens BFZ1. Für Details dazu siehe ENR 1.1 der AIP.

Zu den Plätzen in der AIP kommen viele hundert weitere anfliegbare Plätze (siehe unten) - ein Paradies! Außerdem unterliegen in Frankreich ULs bei den sogenannten Altiports nicht den selben Einschränkungen wie Motorflugzeuge. Heißt: man darf auch ohne Zusartzberechtigungen auf diesen Plätzen landen. Ob dies sinnvoll ist, ist eine andere Frage.

Als Beispiel für sehr reizvolle UL-Plätze in Frankreich sei z.B. Cipiéres Alpes d'Azur (LF0652) genannt. Aber es gibt noch tonnenweise mehr!

Was Lufträume angeht, unterliegen ULs grundsätzlich keinen besonderen Beschränkungen und dürfen - insofern sie das entsprechende Funk- und Transponderequipment an Bord haben - alle nach VFR zugängliche Lufträume nutzen.

Der französische Ultraleichtflugverband ist FFPLUM, die "Federation Francaise d'ULM":

http://www.ffplum.com 

Dieser führt und pflegt übrigens u.a. eine tolle und frei zugängliche Datenbank aller UL-Plätze in Frankreich. Insgesamt ca. 700 Stück:

http://basulm.ffplum.info 

Siehe dazu auch den Abschnitt "Flugplätze".

Abschließend sei gesagt, dass man mit einem UL an französischen Flugplätzen und Flughäfen teilweise sehr argwöhnisch betrachtet wird. Dazu muss man wissen: in Frankreich sind ULs und deren Piloten viel weniger reguliert als in Deutschland. Die Ausbildung ist nicht sehr tiefgängig. Außerdem braucht man dort als UL-Pilot keinerlei Medical. Folge ist, dass alle die, die kein Medical (mehr) bekommen, UL fliegen. Was da abgeht, ist schon teilweise sehr abenteurlich. Dies erklärt ein wenig, warum die etwas "seriöseren" Plätze da immer ein bisschen die Angst bekommen, weil ein UL reinkommt und es dort häufig zumindest eine PPR-Regelung für ULs gibt.


© Philipp Tiemann
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